Interessen von Menschen mit geistiger Behinderung
Menschen mit schweren Behinderungen im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen
(Öffentlich)
von Theo Klauß
aus Fachzeitschrift Geistige Behinderung 1/2006 vom 20.01.06
Kurzfassung
Es geht um die Interessen von Menschen, die nicht für sich sprechen können, zumindest nicht so, dass Politik, Öffentlichkeit und wir selbst es genau verstehen. Sie sind davon abhängig, dass andere umfassend für sie reden, entscheiden, denken und handeln. Soll an erster Stelle das stehen, was Menschen brauchen und was ihnen deshalb von einem humanen Gemeinwesen zugebilligt werden soll, oder aber das, was die Gemeinschaft, der Staat aufzuwenden bereit ist? Menschen mit hohem Hilfebedarf stellen als besondere Persönlichkeiten eine Bereicherung unserer Gesellschaft dar, sie erweitern das Spektrum dessen, was Menschsein bedeuten kann. Sie können ihr Menschsein in all den Aspekten realisieren, die die amerikanische Philosophin Nussbaum mit ihrem Katalog der Capabilities benannt hat, wenn wir ihnen die Chance dazu geben: Allseitige Bildung und Leben in anspruchsvoller Kultur (gegen eine Reduzierung auf Pflege); Gesundheit und Wohlbefinden; Produktivität, Freizeit und ein Leben in „mehreren Welten“ (gegen die Verweigerung tagesstrukturierender Maßnahmen); weitest mögliche Regiekompetenz (Selbstbestimmung) für die eigenen Lebensumstände und die Befähigung dazu; Teilhabe am Zusammenleben in Vielfalt und Beheimatung. Menschen mit hohem Hilfebedarf sind davon abhängig, dass das, was sie zur Verwirklichung dieser Rechte brauchen, vom Gemeinwesen, von Institutionen und von ihren konkreten Mitmenschen ermöglicht wird.
LG
Nancy
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