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27.03.2006, 14:57
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autismus
Mein Modell über Autismus
von Ingrid Wiegel
Autismus ist eine genetisch bedingte oder früh erworbene Funktionsstörung des Gehirns.
Das Gemeinsame der so unterschiedlichen Autisten ist wohl, dass zwar organisch, bzw. anlagemäßig, ihre einzelnen Hirnfunktionen, wie Sehen, Fühlen, Reden, Motorik, usw., wie bei einem Gesunden arbeiten könnten, aber es mangelt am alles verbindenden funktionstüchtigen Management dazu, - die alles miteinander verbindende und regelnde übergeordnete Gehirnfunktion ist beeinträchtigt, - bei dem einen Autisten mehr, bei dem anderen weniger.
Man bedenke, bei allen Handlungen, die wir tun, müssen wir (vorher und parallel) die Reize von außen und unsere inneren Impulse sinnvoll koordinieren. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf Wichtiges lenken, (und uns gegebenenfalls in Extremsituationen das Wichtigste in Sekundenbruchteilen überdeutlich bewusst machen, - in den alles überlagernden Vordergrund rücken können), - Unwichtiges dagegen müssen wir permanent aus dem Bewusstsein ausblenden können, um die uns zur Verfügung stehenden Kapazitäten der Hirnleistung optimal zu nützen.
Wir alle benötigen eine Art Oberregie/ eine funktionstüchtige Logistik in unserem Gehirn. Diese scheint bei den Autisten gestört zu sein. (nebenbei bemerkt: der Fachausdruck 'intermodale Störungen' trifft, aber er deckt nicht alles ab)
Zwei Richtungen gibt es, wie die Wahrnehmungsverarbeitung gestört sein kann:
--- Entweder ist die Wahrnehmungsverarbeitung zu eng gestellt und/oder auch zu unflexibel und starr:
Diese Kinder leben mit einer Art Tunnelblick, (oder/und auch mit einer Art "Tunnelsehen", "Tunnelriechen", "Tunnelfühlen", .... usw.).
Ihre Wahrnehmung fokussiert nur für uns "Normale" unwichtige Teilaspekte einer komplexen Situation. Die Dinge nebendran, auch die viel relevanteren, bleiben dagegen unbeachtet, sie werden unangebrachter Weise ausselektiert. Aus dieser eingeengten Wahrnehmung ergibt sich eine Reizleere der anderen Hirnfunktionen, und sie bleiben unterentwickelt/ unfähig/ nicht altersentsprechend funktionstüchtig. Diese Individuen versuchen die innere Leere, die sich aus dieser extremen Einseitigkeit der Aufmerksamkeit -(srichtung) ergibt, mit stereotypen Handlungen/ Selbststimulierung zu füllen. Das erklärt die Wichtigkeit, die diese stereotypen Wiederholungen subjektiv für diese autistischen Kinder haben.
--- Im anderen Fall ist die Wahrnehmung zu weit gestellt, bzw. auch zu instabil/zu unbegründet schwankend:
Alle Reize von außen und alle inneren Impulse und Assoziationen dringen gleichzeitig unselektiert und ungefiltert ins Bewusstsein, oder/und die Wahrnehmung kann nicht sinnvoll an die Situation angepasst werden, den Kindern wechselt ihrer Aufmerksamkeit unkontrolliert zu Nebensächlichem/Unrelevantem. Es entsteht ein Reizüberflutung und ein inneres Chaos. Diese Kinder versuchen u.a. eine Kontrolle über ihr chaotisches Innenleben zu erreichen, indem sie ritualisierte Handlungen vornehmen, die uns ganz eigentümlich anmuten. Und sie setzen Dinge/Ereignisse in einer Art miteinander in Beziehungen, die uns völlig abstrus erscheint, weil sie es innerlich so erleben.
(Meist sind beide beschriebenen Fehlerarten der Wahrnehmungs- und innere Impulsverarbeitung nebeneinander bei einem Kind zu beobachten, jedoch überwiegt eine Richtung oft sehr stark.)
In jedem Fall muss die Oberregie über die Wahrnehmung und die innere Bearbeitung /Regie über die eigenen Impulse erzieherisch/therapeutisch - und auch die entsprechenden Selbstheilungskräfte - intensiv trainiert werden.
Im ersten Fall ("Tunnel~") steht eine Öffnung der Person für neue Erfahrungen im Vordergrund.
Im zweiten Fall muss der ordnenden "Oberregie im Gehirn" von Außen (oder mit mühsam zu erlernenden Selbstkontrollmechanismen von Innen) nachgeholfen werden. - Es muss ordnend/strukturierend, auch reizreduzierend/abschirmend nachgeholfen werden. deswegen sind im zweiten Fall klar erkennbare Strukturen und durchschaubare Konsequenzen im Lebensalltag besonders wichtig! Und diese Kinder profitieren ungemein von Wiederholungen komplexer Handlungsabläufe,
- die Orientierung und Wahrnehmungskontrolle und die Kontrolle der inneren Impulse gelingt ihnen mit jeder Wiederholung besser.
Die kleinen materiellen Verstärker der Verhaltenstherapie sind meiner Erfahrung nach für Kinder deutlich wahrnehmbare Wegweiser/Zeichen dafür, wo es innerlich langgehen sollte. Sie sind deshalb äußerst wirksam. Verbale Erklärungen sollten parallel, - auf alle Fälle aber in einfachster und in gleicher Form wiederholt, - dazu geliefert werden.
Autistischen Kindern muss verstärkt das übergeordnete Prinzip einer Alltagssituation nahe gebracht werden. Wenn sie das erlebt und begriffen haben, erlangen sie ein Gerüst, mit dem sie Kontrolle über ihr "inneres Management", ihre Wahrnehmungsteuerung und ihre Impulskontrolle künstlich erlangen.
Etwas anders ausgedrückt:
Bei Autisten muss die Selektionsfähigkeit und innere Aufmerksamkeitssteuerung, sowohl was Außenreize, aber auch was Erinnerungen und Körperwahrnehmungen und was die inneren Impulse betrifft, intensiv trainiert werden.
Das TEACCH-Programm und die Verhaltenstherapie bieten dabei die erfolgsversprechendsten Hilfen an.
Ingrid Wiegel
(Sozialpädagogin in dem Therapiezentrum für autistische Kinder, Jugendliche und Erwachsene der Arbeiterwohlfahrt in Mannheim).
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27.03.2006, 18:03
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evma, danke für diesen Beitrag, darf ich den weitergeben?
Bei uns in der Werkstatt wurde nämlich eine Autistin in eine
Therapie gesteckt. Sie wurde "dressiert" und funktionert nun
wie ein Marionettchen, nur weil es einigen "geschulten" Personal-
mitgliedern zu umständlich war, sich mit ihr auseianderzusetzen.
Würde das gerne Eltern u gesetzl.Betreuern zeigen, diese
können sich dann besser entgegensetzen(leider informieren
sich auch nicht alle Eltern grundlegend über Krankheiten,
manchmal brauchen sie einen "Schubs" von außen).
LG
Nancy
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27.03.2006, 18:07
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sie hat das ja geschrieben das möglichst viele es lesen.und ich finde es sind sehr wichtige punkte
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27.03.2006, 18:15
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Daß es für Autisten eine bestimmtes Training gibt, wußte ich.
Ich kenne eine Mutter, die es mit Ihrem Sohn durchgezogen
hat, es war sehr anstrengend und mühselig, muß sehr
konsequent fortgeführt werden, sonst bringt's gar nichts.
Das o.g. Mädchen allerdings wurde mit Einverständnis der
Eltern in eine Verhaltenstherapie für verhaltensauffällige,
geistig behinderte Erwachsene geschickt.
Damit tat man ihr keinen Gefallen, sie " lebt " nicht mehr, sie
funktioniert nur noch (meine Meinung).
LG
Nancy
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27.03.2006, 18:26
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da muß ich eine presche schlagen.björn war ja auch sehr stark autistisch,du machst dir kein bild wie oft ich ihn klammern muste wirklich mit gewalt weil er keinen kontakt zugelassen hat.einmal waren wir einkaufen dann bekam er dort einen abdreher und hat wie wild um sich geschlagen.auch dort habe ich ihn fast drei stunden im klammergriff genommen,das er heute so ist war auch nur zum teil hin tressiert.oft habe ich gesagt man kann besser einen hund dressieren als ein autistisches kind.aber wie froh waren wir bei jeden fortschritt und gerade bei solchen sachen wie umzug kommt es wieder durch und ich bin dann auch sehr konsequent allerdings liebevoll konsequent und björn kommt damit klar
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27.03.2006, 18:48
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Das glaube ich Dir, evma, aber Björn hat eine Lebensqualität.
Möchte ich zumindest sagen, von dem, was ich von Dir weiß.
Er hat ja viel Spaß und Freude in seinem Leben.
Er hat Freunde. Und Du wirst den richtigen Weg gewählt haben,
ihn dort hin zu bringen.
Das Mädel aber wurde ruhiggestellt mit Psychomarka, geht wie
ein Roboter, starrt geradeaus, nimmt gar keinen Blickkontakt
mehr auf, sagt alle paar Tage mal einen Satz(sie kann reden).
Der Plan ging in die falsche Richtung.
Björn hat soziale Kontakte, er entwickelt sich immer weiter, er
wird gefördert, Du weist ihm den rechten Weg, nicht den Falschen.
Er wird nicht ruhiggestellt und gehandicapt durch
Medis.
LG
Nancy
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27.03.2006, 19:02
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da hast du recht,das war etwas was ich immer abgelehnt habe,nur um ruhe zu haben das kind vollzupumpen.nicht mit mir.
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27.03.2006, 21:06
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Liebe evma,
das" Vollpumpen" ist immer die einfachste Lösung für diejenigen,
die sich eigentlich mit dem Behinderungsbild auseinandersetzen
sollten, nicht aber für die Behinderten selbst.
Das ärgert mch ja gerade.
Ich habe nichts gegen Therapien, es gib sogar Formen der Therapie,
wo die Betroffenen festgehalten werden, auch im Physiotherapie-Bereich,
dadurch werden motorische oder auch psychologische Reflexe ausgelöst.
Diese Art von Therapien sind oft sinnvoll und haben (wie bei Björn)
schon Blockaden gelöst. Das finde ich vollkommen o.k.
Allerdings gegen Ruhigstellen mit Psychoparmako, wodurch die
Entwicklung rückläufig wird, habe eine Menge.
LG
Nancy
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28.03.2006, 00:09
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da hast nicht nur du etwas dagegen sondern ich auch
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08.11.2006, 08:38
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Das Online-Familienhandbuch
Autismus
Matthias Dalferth
Die Medien haben in den vergangenen Jahren für einen größeren Bekanntheitsgrad dieser Behinderung gesorgt. So gelang es beispielsweise mit dem Film "Rainman" (mit Dustin Hoffman, Tom Cruise), eine ganze Reihe von typischen Auffälligkeiten anschaulich am Beispiel eines erwachsenen Mannes darzustellen. Zweifellos geht von einer autistischen Behinderung eine große Faszination aus, weil man diesen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ihre Behinderung nicht ansieht und etliche Personen über uns rätselhaft erscheinende Fähigkeiten verfügen.
Die verkürzte Berichterstattung in den Medien hat jedoch auch dazu geführt, dass sich einige Fehlannahmen über diese Behinderung verfestigen konnten. Deshalb soll nachfolgend nicht nur diese "tiefgreifende Entwicklungsstörung", wie sie in den psychiatrischen Klassifikationssystemen ICD 10 und DSM IV bezeichnet wird, näher beschrieben werden, sondern auch auf populäre Fehlannahmen eingegangen werden.
Was ist Autismus?
Neben Autismus (ein Begriff, der sich mit Selbstbezogenheit, Abkapselung oder Rückzug in die eigene psychische Welt übersetzen ließe) finden auch noch andere Bezeichnungen Verwendung: frühkindlicher Autismus, autistische Störungen, autistisches Syndrom, Asperger Syndrom, High-functioning-autism und atypischer Autismus. Es handelt sich hierbei um verschiedene Spielarten aus dem autistischen Spektrum (ASD - Autistic Spectrum Disorders), weil wir heute wissen, dass Autismus in völlig unterschiedlichen Schweregraden und in Kombinationen mit anderen Behinderungen in Erscheinung treten kann. Es gibt autistische Menschen, die gleichzeitig geistig behindert sind (ca. 70%) oder eine weitere Krankheit oder Behinderung haben (z.B. Tuberöse Sklerose, Neurofibromatose, Phenylketonurie, Fragile X-Syndrom u. v. a., vgl. Baron-Cohen, Bolton 1993). Andere können mit ihrer diskreten Behinderung eine höhere Schule besuchen, eine qualifizierte Ausbildung absolvieren und ein hohes Maß an Selbstständigkeit erreichen.
Als typisches Behinderungsbild gilt das Kanner-Syndrom, als leichtere Form das Asperger-Syndrom. Syndrom bedeutet, dass mehrere, hier bis zu 60 einzelne Auffälligkeiten oder Symptome beobachtet werden können, die allerdings nicht alle gleichzeitig vorkommen müssen. Ein atypischer Autismus findet sich bei in der Regel schwerstbeeinträchtigten Menschen, bei denen nicht alle wichtigen Symptome vorkommen. High-functioning-autism (Autismus mit hohem Funktionsniveau) gilt als symptomatisch etwas unklare Bezeichnung für Personen mit Kanner-Syndrom, die über herausragende Fähigkeiten in Teilgebieten (z.B. Musik, Kalenderrechnen, Zeichnen, Merkfähigkeit) verfügen.
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