Freie Fahrt voraus: Routenplaner für Rollstuhlfahrer
Bald ist es vorbei damit, stundenlang bis zur nächsten Imbissbude herumzukurven, nur weil zu hohe Bordsteinkanten oder Treppen den Weg versperren. Denn vier Studenten kamen auf die Idee, ein Navigationssytem für Rollstuhlfahrer zu entwickeln. Das soll Behinderten helfen, beim nächsten Stadtbummel barrierefreie Wege zu finden.
Martin Stein ist einer der Studenten von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg (HAW Hamburg). Er hat Freunde, die im Rollstuhl sitzen. Wenn er mit ihnen in der Stadt unterwegs war, kamen sie oft nicht weiter, weil Treppen oder hohe Bordsteinkanten ihnen den Weg versperrten.
Es kostete Zeit und Nerven, einfachere Routen zu finden. Deshalb entschloss sich der Informatik-student zusammen mit seinen Kommilitonen Mark Thomé, Piotr Wendt und Sven Stegelmeier eine Lösung für dieses Problem zu finden.
So entstand eine Software, die wie ein Navigationsgerät für Autos arbeitet. Das Programm kann auf den PC, aber auch auf kleine tragbare Computer oder sogar aufs Handy geladen werden. Rollstuhl-fahrer können so das Gerät im Rollstuhl mittransportieren. Auf dem Bildschirm erscheinen eine Straßenkarte und die Stelle, an der man sich gerade befindet. Das funktioniert per GPS, einem satellitengestützten System zur weltweiten Positionsbestimmung. Dieses ermittelt den Standort des Gerätes, indem von Satelliten aus Signale an die installierte Software gesendet werden.
"Das Besondere an dem System ist, dass es Routen anzeigen kann, die in keiner gewöhnlichen Straßenkarte verzeichnet sind", so Birgit Wendholt, die Mentorin des Studententeams. Das funktioniert, weil die Positionsdaten von Benutzern gespeichert werden können. Marc Thomé erklärt: "Wenn ein Rollstuhlfahrer zum Beispiel einen Trampelpfad entlangfährt, wird die Route vom GPS-System aufgezeichnet. So erkennt das Programm, dass es an der Stelle auf der Karte einen Weg gibt."
Rollstuhlfahrer, die das System in Zukunft nutzen würden, könnten ihre Routentipps sammeln und anderen zur Verfügung stellen. Dazu schließt man sein Gerät an das Internet an und legt die Daten an einem gemeinsamen Speicherort ab - für alle Nutzer frei verfügbar. So wüchse die Anzahl der Informationen ständig an. Wenn dann mal ein Rollifahrer aus Kiel seinen Weg zum Viktualienmarkt in München suchen möchte, schaltet er das Programm an, gibt Start- und Zielort ein und sieht die praktischsten Routen, die andere Rollifahrer dort erkundet haben.
Das Projekt trägt den Namen Path-Finding Community (Pfadfinder-Gemeinschaft) und es gewann auf einem weltweiten Studentenwettbewerb (Innovation Cup) einen Sonderpreis. Der ermöglicht es den Tüftlern im nächsten Jahr, an einem Workshop in England teilzunehmen, der von zwei großen Sponsoren unterstützt wird. Dort soll das Produkt alltagstauglich gemacht werden, so dass Rollinutzer schon bald hindernisfrei zur nächsten Portion Pommes rot-weiß fahren können.
REHACARE.de
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