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www.rehacare.de:
Selektionsfragebogen
14.04.2006
Wiesenbach (kobinet) Auf den Entwurf eines neuen Fragebogens zur Schuleingangsuntersuchung in Baden-Württemberg weist Wilfried Furian, Vorsitzender von "Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen, Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg - Eltern gegen Aussonderung von Kindern mit Behinderung", hin. Er sieht darin eine diskriminierende vorschulische Selektion von Kindern. Der Fragebogen soll zunächst an 1800 Schülerinnen und Schülern erprobt wreden.
Furian: "Neben anderen diskriminierenden Fragen gibt es solche nach dem Bildungsstand der Bezugspersonen, deren derzeitiger Ausübung von Erwerbstätigkeit und ob diese im Schichtdienst arbeiten. Ist also ein Kind mit arbeitslosem, ehemaligem Schichtarbeiter als Vater von vorneherein ein 'Risikokind' und nicht schulreif? Kommt nur noch das pünktlich geborene Elitekind, das keine Sehbeeinträchtigung hat, dessen Eltern selbstverständlich in Deutschland geborene, nicht rauchende Akademiker sind und das seine Süßigkeiten gerne mit anderen Kindern teilt, eine Regelschulempfehlung? Und ist - andersherum - das Kind, das einen Fernseher im Zimmer hat und dessen Eltern arbeitslos sind, ein potenzieller Kandidat für die Sonderschule?" Dieser unsägliche Fragebogen zeige, wie sehr Kinder wegen ihrer Herkunft oder wegen bestimmter Eigenschaften nach wie vor stigmatisiert werden. "Von wegen Chancengleichheit im Bildungswesen", empört sich Furian. Er hofft auf zahlreiche Proteste aus Baden-Württemberg - aber auch über die Landesgrenze hinaus. "Dieser Fragebogen darf nicht zum Standard werden".
Einem Kommentar zum Fragebogen kann Furian voll und ganz zustimmen. Dieser lautet: "Würde man die Fragen nicht schwarz auf weiß vor sich sehen, man würde nicht glauben, dass es 200 Jahre nach Pestalozzis Lehren einen solchen Schwachsinn überhaupt noch gibt". elba
Der Fragebogen und weitere Informationen dazu sind auf der
Internetseite des Landeselternbeirates Baden-Württemberg einzusehen.