Technology Review über selbstreinigende Materialien /
Die Putzfrau der Zukunft heißt Titandioxid
22.06.2006 - 12:35 Uhr Hannover (ots) - Ob Betonwände, Dachziegel, Lampenschirme oder die
Fliesen fürs Bad - weltweit forschen Wissenschaftler an Materialien,
die sich mit Hilfe von UV-Strahlung selbst reinigen. Eine Erlanger
Forschergruppe hat jetzt Beschichtungen entwickelt, bei denen das
auch mit künstlichem statt wie bisher nur mit Sonnenlicht möglich
ist. Das berichtet das Technologiemagazin Technology Review in der
aktuellen Ausgabe 07/2006.
Bei älteren selbstreinigenden Materialien fangen nanometergroße
Titandioxid-Partikel die ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts ein
und nutzen sie zur Photokatalyse. Dabei werden organische Stoffe,
etwa Fett oder Staub, chemisch zersetzt. Übrig bleiben Wasser und
Kohlendioxid, Flecken lösen sich buchstäblich in Luft auf. Um diesen
Effekt auch mit künstlichem Licht zu erreichen, hat die
Forschergruppe um den Chemiker Horst Kisch von der Universität
Erlangen Stickstoff- oder Kohlenstoff-Atome in das mineralische Oxid
eingeschleust. Für Innenräume, Krankenhausmobiliar oder Kühlschränke
eröffnen sich neue Perspektiven der Selbstreinigung. Inzwischen ist
auf dem deutschen Markt Wandfarbe mit kohlenstoffdotiertem
Titandioxid erhältlich, die bei Kunstlicht auch Schadstoffe in der
Raumluft vernichten kann. In Japan sollen die Raucherabteile von
Zügen mit Titandioxid ausgekleidet werden. Dort gibt es auch schon
selbstreinigende Teppiche, Polstermöbel und sogar Anzüge und Socken.
Bereits 1968 entdeckten japanische Forscher den aktiven
Reinigungseffekt des Titandioxides. Ende der 1990er Jahre stießen
wiederum japanische Wissenschaftler auf den passiven
Reinigungseffekt: Wassertropfen zerfließen an Titandioxid zu einem
hauchdünnen Film, daraus bildet sich ein breiter Strom, der den Staub
mit sich fortreißt. Nach diesen Entdeckungen wurde die Industrie auf
den molekularen Saubermann aufmerksam, lassen sich damit doch
Wartungs- und Reinigungskosten etwa für Fenster, Glasfassaden oder
Häuserfassaden stark verringern.
(Quelle:
Presseportal)