Hallo Christel,
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Zitat von Christel
das Klima ist dort ja völlig anders.
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Natürlich, bedenke aber bitte auch, daß es sich um ein Kontinentalklima handelt. Das heißt, Du kannst vom Kälteempfinden her gute 10° abziehen. Klar, bei -40° bleiben dann auch noch ca. -30° übrig. Aber -10°, wenn's auf den Frühling zugeht, ist für die Menschen dort schon eine Erlösung: da kann es ihnen nicht schnell genug gehen, um endlich ihre dicken Winterklamotten loszuwerden

Es ist auf Dauer ja dann doch ziemlich lästig: wenn man rausgeht, dick einmummeln - wenn man in die oft knallheißen Wohnuungen, auch Schulräume, kommt, wieder ausziehen ...
Ab Januar/Februar friert dann übrigens auch der riesige Baikalsee zu und überzieht sich mit einer so dicken Eisschicht, daß sogar Lkws darüber fahren können.
> Wann beginnt es dort, kalt zu werden.
Das ist unterschiedlich: die ersten kalten Tage kann es schon im September (seltener auch mal früher) geben und der Winter dauert dann bis April/Mai. Deswegen haben die Kinder in Rußland z.B. auch 3 Monate Sommerferien (Schulanfang 1. September). Nicht nur, um den relativ kurzen Sommer zu genießen, denn in den Sommermonaten muß ja - oft im Datscha-Gärtchen - für den langen Winter vorgesorgt werden (Gemüse, Kartoffeln u.s.w.)
> Wie funktioniert das dort mit dem Heizen?
Fernheizung ist üblich, nur in den alten, typisch-sibirisch schmucken Holzhäusern gibt es Ofenheizung (und z.B. eine Wasserpumpe vor dem Haus). In der Regel funktioniert die ja - kritisch wird's freilich, wenn sie tatsächlich mal nicht funkioniert. Ich habe den zum Teil katastrophalen Zustand der Fernheizungsrohre, die wegen des Permafrostbodens über der Erde angelegt sind, in der Taiga ja gesehen
> Das sind vielleicht komische Fragen.
Find' ich gar nicht ! Ich sag' immer: es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten ;-)
> Aber ich stelle mir das Leben mit so strengen Wintern bei Minusgraden schrecklich vor.
Ich fand's nicht schrecklich. Gerade wegen des Kontinentalklimas gibt es keine "neblig-trübe, naßkalte Novemberstimmung". Außerdem ist gerade die Baikalsregion neben der Schwarzmeerküste die sonnenreichste Region Rußlands. Natürlich ist die Kälte für unsereins besonders gewöhnungsbedürftig, aber eine sonnige, schneebedeckte Taigalandschaft ist geradezu märchenhaft schön.
Und dann vergiß bitte nicht, daß der Mensch einen höchst anpassungsfähigen Organismus hat: die Menschen in Sibirien haben eine ganz anders geartete Konstitution. Ich habe 2 Jahre dort zugebracht und muß sagen, daß mich das dann schon ein wenig geschlaucht hat. Gar nicht mal so sehr die Kälte, sondern die Umschwünge: im Winter -20 bis -40° (die Nächte natürlich noch kälter), die Sommer +30°. Dazu im Winter die Unterschiede zwischen Tag und Nacht, die schon mal 20° betragen können. Aber es gibt nicht wenige Russen, die im Winter vergnügt ein Loch in das Eis des Baikalsees schlagen, um dort zu baden.
Nun das Wichtigste: ich kam nach 2 Jahren im Frühling zurück nach Deutschland: wunderschönes Frühlingswetter, alles in voller Blüte, saftiges Grün, adrette Vorgärten (ich wohne in einem idyllischen Schwarzwalddörfchen) - aber mich hat's gefroren, und zwar seelisch !!! Kam ich doch aus einer Region mit Menschen, die ein unvergleichliches soziales Mit- und Füreinander leben.
Die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft z.B. ist mehr als das, was wir unter "Gastfreundschaft" verstehen. Sie hat sich über Jahrhunderte entwickelt in einem Land, das wegen seiner unvorstellbaren Größe wie menschenleer erscheint (8 Einwohner pro qkm - in Sibirien 3, in Deutschland: 222 Einwohner pro qkm). Da waren die Menschen wesentlich mehr aufeinander angewiesen.
Damals - ich war vor nunmehr vor über 10 Jahren dort und habe in einer Schule mitgearbeitet - bekamen die Lehrer mitunter 1/2 Jahr lang kein Gehalt ... aber: sie haben überlebt, weil sich die Menschen gegenseitig helfen und das Letzte miteinander teilen, was sie haben. Und noch was: diese Lehrer haben kein Gehalt bekommen - ich, der Gast, bekam monatlich meine umgerechnet 50 DM !
Liebe Grüsse
Bargusin