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  #1  
Alt 06.03.2007, 21:22
Benutzerbild von angelika
angelika angelika ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 08.02.2006
Ort: rotterdam und wien
Beiträge: 7.502
Standard text einer mutter

Ein behindertes Kind - was nun?

Man sollte sich bewusst eine Frage stellen: KANN ICH MEIN KIND LIEBEN? Wer diese Frage mit JA beantworten kann, soll sich vom Arzt nichts einreden lassen. Für einen Mediziner ist die Begründung "nicht lebensfähig" oder "Abweichung der Medizinischen Norm" Grund genug um das Kind abtreiben zu lassen. Aber wer denkt hier an die Mütter? Wer an die Väter und wer denkt an das ungeborene Kind? Wer denkt an die vielen Kinder die aufgrund einer Fehldiagnose abgetrieben wurden?
Wenn man sich entscheidet das man ein Kind in die Welt setzt, sollte man sich bewusst vor Augen halten das man sein Kind nicht gegen das Licht halten kann um nachzusehen ob es auch in die Familie passt. So bald ein Arzt den werdenden Eltern mitteilt, das ihr ungeborenes Kind behindert oder krank zur Welt kommen wird, werden meist schnell die Termine zur Abtreibung verteilt. Eltern brauchen nach einer solchen Mitteilung Zeit, Gespräche und vor allem einen klaren Kopf! Ich kann mit meinen Erfahrungen Mamas und Papas nur folgenden Rat geben: Geht nach Hause, weint oder schreit und sprecht mit anderen Eltern oder wendet euch an einen Verein.
Ich weiß das eine solche Diagnose nicht einfach für das Gefühlsleben ist. Ängste und Sorgen haben die erste Zeit die Übermacht. Gerade deswegen sollte man sich nicht nur über eine Abtreibung Gedanken machen oder wie man das Kind am schnellsten "los wird", sondern sich über die Diagnose genauestens Informieren. Wenn man das Glück hat einen Verständnisvollen Arzt zu haben, wird dieser auch ein offenes Ohr haben. Leider sind die meisten Ärzte für eine Abtreibung und deshalb sollte man sich an Vereine oder andere Eltern wenden, um Informationen und Verständnis für alle aufkommenden Gefühle zu bekommen.

Es ist sehr wichtig das man sich über das Kind Gedanken macht, wie es sich wohl entwickelt und was auf einen zukommt! Und diese Dinge kann man von keinem Arzt erfahren! Ich verurteile keinen, der sein Kind aufgrund Angst oder anraten des Arztes abtreibt. Ich verurteile nur Menschen die sich keine Gedanken machen und sich für den einfachsten Weg entscheiden ohne sich vorzustellen wie das Leben MIT dem Kind werden wird. Es gibt so viele Eltern die viel Glück mit ihrem behinderten Kind erfahren und von ihm lernen. Es gibt so viele Eltern die froh sind das sie ihr Kind behalten haben und würden es um keinen Preis der Welt hergeben.

Ich selbst habe jede Minute mit meiner Tochter genossen und auch wenn unser Weg kein einfacher war, ich würde, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, Melanie wieder zur Welt bringen. Nur würde ich etwas anders machen: Vorher mit anderen Eltern sprechen! Denn nur sie haben die Erfahrung und die nötigen Gefühle um zu wissen, über was sie sprechen!
Nie hat man Gewissheit, das die gesunden Kinder auch gesund bleiben. Erkrankt ein Kind nach der Geburt wird alles Menschenmögliche getan! So sollte es auch mit dem ungeborenen Leben sein, denn "Mensch sein" fängt nicht erst an, wenn man geboren wurde, sondern am Tag der Entstehung. Das wichtigste ist in einer solchen Situation nicht nur an sich sondern auch an das ungeborene zu denken das, wäre es "gesund" auch ein Recht auf ein normales Leben hätte.

Ich bin die Mutter... Diesen Text habe ich nach einer Podiumsdiskussion "Wertes unwertes Leben" geschrieben. Es waren einige Ärzte, Politiker und Vereine anwesend. Im Publikum saßen viele Menschen mit Behinderung. Man sprach offen darüber, das behinderte Menschen in unserer Gesellschaft nicht mehr "passieren" müssten. Ein Arzt von der Uniklinik Innsbruck hat dieses Beispiel gebracht:

"Stellen sie sich vor, sie sitzen im Bus und eine Mutter mit einem behinderten Kind steigt ein. Denken sie sich nicht auch - so etwas dürfte in der heutigen Gesellschaft nicht mehr passieren?" ...


Ich bin die Mutter ...

Ich bin die Mutter die mit ihrem behinderten Kind in den Bus steigt, der Rehabuggy ausgerüstet mit einem Absauggerät und einer Sauerstoffflasche, ich lächle der heutigen Gesellschaft ins Gesicht, denn für mich ist es nicht von Bedeutung ob mein Kind anders ist. Ich bin keine Behinderung für die Gesellschaft, die Gesellschaft behindert mich und meine Tochter, am Leben so teilzuhaben, wie es wir uns wünschen.

Ich bin die Mutter, der man sagen würde, ihr Kind ist nicht "Lebensfähig" denn es hat eine Lebenserwartung von 6 Monaten.

Ich bin die Mutter, der man sagen würde, das Kind in meinem Bauch ist fürs Leben nicht genug ausgerüstet und zum Kämpfen nicht genug wert.

Ich bin die Mutter der sie anbieten würden das lebensunfähige "Lissencephaly" Kind zu entfernen.
Ich bin die Mutter, der nichts gesagt wurde und das Kind ausgetragen hat. Ein Fehler von mir oder ein peinlicher Fehler der Klinik? Oder eine Behinderung für die Gesellschaft, da mein behindertes Kind teuer ist aber nie einen Beitrag für die Gesellschaft leisten wird?

Ich bin die Mutter der eine unfähige Psychologin zugestellt wurde, ich bin die Mutter, der kurz nach der Geburt das Kind genommen wurde und gesagt wurde, mit dem Gehirn stimmt was nicht - sie müssen sich aufs "schlimmste" gefasst machen...

Ich bin die Mutter die das "schlimmste" so angenommen hat, wie sie es zur Welt gebracht hat,

Ich bin die Mutter, die der Meinung ist das nicht die Behinderung an sich schlimm ist, sondern die Welt in der es hineingeboren wurde. Denn so ein "Fehler" dürfte ja in der heutigen Zeit nicht mehr passieren.

Ich bin die Mutter, die dankbar an alle Tage zurückdenkt, die sie mit ihrem Kind erleben durfte.

Ich bin die Mutter, die die Erleichterung der Gesellschaft spürt, das der geborene Fehler nun nicht mehr angesehen werden muss da sich die Prophezeiung erfüllt hat und das Kind von selbst und ohne Abtreibung gestorben ist.

Und das wir dem ganzen noch einen Namen geben, taufe ich den "Fehler", denn meine Tochter heißt nicht behindert oder Lissencephaly, sondern hat den liebevollen Namen Melanie.

Dieser Text wurde von Birgit geschrieben.
Ihre Website:
http://www.sternchenmelanie.com.
__________________
Der Weg von Mensch zu Mensch,
ist oft weiter und schwieriger,

als der Weg von der Erde zum Mond.
angie
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  #2  
Alt 07.03.2007, 05:28
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard

liebe geli heute nacht um drei habe ich diesen text gelesen,und konnte zu anfang nicht schreiben vor allen dingen weil ich mir die hom der tapferen frau angeschaut habe.was diese junge frau mitgemacht hat und auch tragen muß trotzdem sie so jung war und ist.und wie gut mit welcher kraft sie alles meistert ich habe hochachtung vor der stärke dieser mutter
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  #3  
Alt 07.03.2007, 07:20
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard

Liebe Geli,

ich hatte dank Dir ja gestern schon die Gelegenheit, mir diese Homepage anzusehen. Sie ist sehr liebevoll gestaltet, trotzdem spricht die junge Mutter deutlich und klar heikle Themen an. Hat mir sehr gut gefallen. Danke Dir dafür!


LG
Nancy
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