Blind und erfolgreich im Beruf.
Woche des Sehens
Berlin (kobinet) Am 7. Oktober wird innerhalb der bundesweiten Woche des Sehens die Aufklärungskampagne "Blindheit und Beruf"gestartet. In Deutschland leben laut WHO-Report rund 1,25 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen. 72 Prozent der Blinden im erwerbstätigen Alter sind ohne dauerhafte Anstellung. Obwohl viele Betroffene erstklassige Qualifikationen und Abschlüsse mitbringen, verschlechtern sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt seit fünf Jahren kontinuierlich.
Um diese Situation zu verändern, haben sich Bildungseinrichtungen und Organisationen für blinde und sehbehinderte Menschen im Oktober 2006 zum Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen (NBT) zusammengeschlossen. Dr. Michael Richter, Geschäftsführer des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS), wird für das NBT die Kampagne zum Thema "Blindheit und Beruf" koordinieren, für die Bundespräsident Horst Köhler die Schirmherrschaft übernommen hat.
"Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen", so steht es im Grundgesetz (Artikel 12). Demnach kann schwindende Sehkraft nicht das berufliche Abseits bedeuten. Trotzdem haben viele blinde und sehbehinderte Menschen aufgrund ihrer Einschränkung Probleme im beruflichen Alltag. So darf die Berliner Rechtsanwältin Pamela Pabst ihren Traumberuf Strafrichterin aus Gesetzesgründen nicht ausüben. Auch der im Juli verhandelte Fall der Münchner Lehramtsstudentin Bettina Koletnig, der wegen ihrer Sehbehinderung der Abschluss ihres Studiums verweigert wurde, verdeutlicht Vorbehalte der Arbeitgeber und letztlich der Gesellschaft.
Blinde und sehbehinderte Menschen erwarten keine Fürsorge und Mitleid, sondern wollen ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich gestalten. Renate Reymann, Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes sowie Mit-Initiatorin des NBT, setzt sich für soziale Absicherung, gesellschaftliche Integration und insbesondere berufliche Förderung der Betroffenen ein. "Das Ziel unserer Arbeit ist es, die hierfür erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen", sagt die selbst sehbehinderte Sachbearbeiterin. "Wo gesellschaftliche, politische oder technische Entwicklungen blinde und sehbehinderte Menschen benachteiligen, schaffen wir ein entsprechendes Bewusstsein und setzen uns für Veränderungen ein."
Ein positives Beispiel für die Integration von blinden und sehbehinderten Berufstätigen liefert der IT-Bereich. Hier werden neue Jobperspektiven geschaffen, beispielsweise mit den Berufsbildern Software-Entwickler, Web-Designer, Online-Journalist, Netzwerk-Administrator und Informatik-Kaufmann. Darüber hinaus entwickelt und produziert die Branche auch spezielle Arbeitsmittel wie Vorlesegeräte oder Blindenschrift-Displays. Mit diesen Hilfsmitteln arbeiten Blinde und Sehbehinderte heute in ehemals für sie nicht zugänglichen Berufen.