Osteopathie für Kinder
(Düsseldorf/München - 17.04.2008) Entspannt liegt der 6 Monate alte Leon auf der Behandlungsliege von Dennis Gülden. Vorsichtig greift der Osteopath aus Düsseldorf unter den Oberkörper, übt an bestimmten Stellen sanften Druck aus und massiert an anderer Stelle. So sollen Verspannungen und Nervenreizungen verschwinden. Die Osteopathie versteht sich als ganzheitliche Methode, Kritiker halten sie für Esoterik.
Nervenreizungen mit sanftem Druck beheben
Dem kleinen Leon gefällt die Behandlung. "Als wir vor einigen Wochen das erste Mal hierherkamen, hat er gebrüllt wie am Spieß", erzählt Leons Mutter Melanie Driesen. Gebrüllt habe er jedoch auch ohne die Behandlung durch den Osteopathen. "Leon hatte eine Art Nervenreizung im Nacken, und die hat dafür gesorgt, dass er nie gerne auf dem Rücken lag, auch den Kopf nicht richtig drehen konnte", erklärt Gülden. Doch innerhalb weniger Behandlungen habe sich Leon zu einem ruhigen und ausgeglichenen Kind entwickelt.
Verspannungen wegmassieren
Gerade wenn es um solche - häufig als "Schreikinder" bezeichneten - Babys geht, fühlen sich junge Eltern von der Schulmedizin oft alleingelassen. Gleiches gelte für Verspannungen bei größeren Kindern. "Viele Ärzte oder Eltern sagen zu den Kindern: Halt dich gerade", sagt Gabi Prediger, Osteopathin und Geschäftsführerin des Registers der traditionellen Osteopathen (ROD) in München. Ein Kind allerdings könne das oft gar nicht.
Schwangerschaft und Geburt positiv beeinflussen
"Osteopathie ist gerade bei Kindern hervorragend dafür geeignet, vorbeugend und am Ursprung des Lebens zu arbeiten", sagt Gabi Prediger. So ließen sich Probleme wie eine krumme Wirbelsäule schon sehr früh erkennen und behandeln. Auch bei verhaltensauffälligen Kindern habe sie schon beachtliche Erfolge erzielt, zudem könne man auch den Verlauf der Schwangerschaft sowie der Geburt positiv beeinflussen. Prediger beobachtet, dass immer mehr Schwangere und Mütter mit ihren Kindern in ihre Praxis kämen. "Mütter sind unsere
besten Werbeträger."
Skepsis bei Schulmedizinern und Krankenkassen
Skeptisch sind Schulmediziner und Krankenkassen. "Wissenschaftliche Nachweise der Wirksamkeit der Osteopathie fehlen bisher", heißt es beim AOK-Bundesverband in Bonn. Die zugrundeliegenden Auffassungen zum Körperbau entsprächen nicht den heutigen Kenntnissen vom anatomischen Aufbau des menschlichen Körpers. Die Osteopathie sei aus diesem Grund als Therapieform nicht in die allgemeinen Heilmittelrichtlinien aufgenommen worden. "Daher ist eine Kostenübernahme nicht möglich", so die Krankenkasse.
Auf die Qualifikation der Therapeuten achten
Um einen guten Osteopathen zu finden, sollten Patienten vor allem auf die Qualifikation der Therapeuten achten - auch wenn es bis heute keine Institution gibt, die das verbindlich prüft. Immerhin legen Einrichtungen wie der Verband Osteopathen Deutschland (VOD) Wert auf die Tatsache, dass nicht jeder Osteopath werden und anschließend als solcher arbeiten könne. "Wir möchten erreichen, dass der Beruf anerkannt wird, die Prüflinge ihr Wissen vor einem offiziellen Gremium unter Beweis stellen und eine wissenschaftliche Arbeit vorlegen müssen", sagt etwa VOD-Präsidentin Marina Fuhrmann.
Osteopathie als Zusatzausbildung
Viele Osteopathen sind ausgebildete Physiotherapeuten. Oft entscheiden sie sich für die zusätzliche Ausbildung an einer Schule oder einer Akademie, weil ihnen die Grenzen als Physiotherapeut zu eng werden. "Bei der klassischen Krankengymnastik behandelt man den Patienten in der Regel über Bewegungsabläufe, bei der Osteopathie setzt man dagegen Reize, die der Körper selbst löst", erklärt Gülden.
Der Kiefer im Fokus
"Man bezieht das komplette Muskel- und Skelettsystem und die Nerven und Organe mit ein, daher ist die Behandlung natürlich auch komplexer", erläutert Gülden. Er arbeitet vor allem gerne mit Zahnmedizinern zusammen - denn zwischen Kieferproblemen und anderen Zipperlein im Körper bestehe oftmals ein enger Zusammenhang.
Entspannende Behandlung
Beim 5-jährigen Jan waren es nicht die Zähne oder der Kiefer, sondern seine Füße. Schon früh hatte seine Mutter bemerkt, dass Gleichgewichtssinn und Motorik des Kindes unterdurchschnittlich entwickelt waren - doch sowohl Kinderarzt, als auch der Orthopäde hatten die Bedenken der Eltern abgetan. Heute, nach einigen Behandlungen, turnt und spielt Jan Fußball wie alle anderen Kinder auch. Und auch er ist entspannt und wie Wachs unter den Händen seines Osteopathen - schon wenige Minuten, nachdem Gülden mit der Behandlung begonnen hat, ist nur noch ein vernehmliches Schnarchen zu hören.
Eine Osteopathie-Stunde kostet zwischen 60 und 80 Euro
Eine Behandlung beim Osteopathen ist eine therapeutische Leistung, die derzeit noch nicht von den Krankenkassen übernommen wird. In der Regel kostet eine einstündige Behandlung zwischen 60 und 80 Euro. Die Beschwerden, die Erwachsene zum Osteopathen führen, sind meist Rückenschmerzen, aber auch Migräne, Asthma oder Schlafstörungen. Viele haben sich auf die Behandlung von Kindern spezialisiert.
Mehr Informationen: Register der traditionellen Osteopathen in Deutschland (ROD), Salinstraße 3, 83022 Rosenheim (Tel.: 089/17 95 80 54, Internet:
www.r-o-d.info); Verband der Osteopathen Deutschland (VOD), Untere Albrechtstraße 15, 65185 Wiesbaden (Tel.: 0611/910 36 61, Internet:
www.osteopathie.de); Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie (bao), Untere Albrechtstraße 15, 65185 Wiesbaden (Tel.: 0611/341 88 58, Internet: ww.bao-osteopathie.de).
Quelle: Vitanet