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18.02.2007, 13:20
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Basale Stimulation
Basale Stimulation nach Andreas Fröhlich Bei Menschen mit einer "Schwerstbehinderung" handelt es sich um Menschen, die in ihrer Entwicklung sehr komplex behindert sind. Sie haben Probleme, sich gezielt und willkürlich zu bewegen, sich verbal und nonverbal mitzuteilen und mit anderen Menschen in Beziehung zu treten. Es ist mir jedoch zusätzlich ein Anliegen, nicht bei dieser Defizitdefinition zu verweilen, sondern gleichzeitig auch darauf hinzuweisen, dass es sich bei sogenannten schwerstbehinderten Menschen in erster Linie um Menschen mit besonderen Bedürfnissen handelt.
Ohne intensive Förderung ihrer Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit sind sie nicht in der Lage, sich und ihre Umwelt zu erfassen und darauf Einfluss zu nehmen. Sie verbleiben in völliger Abhängigkeit, in weitgehender Mitteilungslosigkeit und sind so auf der frühesten Entwicklungsphase individuellen Lebens festgehalten.
Unsere Aufgabe ist es nun, die elementare Bedürfnisse schwerstbehinderter Menschen zu befriedigen.
A.) Wahrnehmung, die auf Menschen bezogen ist - sozialkommunikative Fähigkeiten:
Bestimmte Verhaltensweisen zwischen Menschen signalisieren, dass freundliche Absichten bestehen und verhindern, dass Aggression aufkommt. Dabei spielen mimische Muster eine große Rolle. Schwerstbehinderte Kinder zeigen diese Muster nur selten.
Zu den sozialkommunikativen Fähigkeiten gehören: Das Kind sollte lernen, zu lächeln, es sollte lernen, eine Person wiederzuerkennen, es sollte lernen, elementare Gefühle äußern zu können (wobei dies nicht verbal geschehen muss). Es sollte lernen, warten zu können, es sollte lernen, durch ein Lächeln so etwas wie "Danke schön" ausdrücken zu können.
B.) Wahrnehmung, die auf Dinge bezogen ist - explorative Fähigkeiten:
Der Mensch ist auch seiner dinglichen Umwelt ausgesetzt, er steht ihr aktiv oder inaktiv gegenüber. Der Einsatz von Bewegungsaktivitäten zur Einflussnahme auf die dingliche Umwelt, d.h. zum Erkunden, Ertasten, Befühlen, Auseinandernehmen, Bewegen, verhindert, dass das Kind auf stereotype, selbstzerstörerische Aktivitäten angewiesen bleibt.
C.) Hineinleben und Übernehmen bestimmter Formen des Zusammenlebens - Enkulturation:
Enkulturationslernen findet beim sogenannten normalen Kind zumeist in häuslicher Umgebung statt, ist aber durch das Konzept der lebenspraktischen Bildung zu einem Teil der Lerninhalte bei der schulischen Förderung von schwerstbehinderten Kindern geworden. "Essen-Können", "Sich-selbst-versorgen-Können", "Sich-selbst-waschen-Können", "Sich-anziehen-Können" sind spezielle, kulturelle Formen, die wir nicht hinterfragen. Für viele behinderte Menschen handelt es sich dabei jedoch nicht um eine Einführung in unsere Kultur, es bleibt zumeist bei einem Anpassungstraining, durch das der behinderte Mensch eher die Chance bekommt, ein akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft zu werden.
Das Konzept der "Basalen Stimulation" ist ein wesentlicher Ansatz in der Förderung Schwerstbehinderter.
Bei der basalen Stimulation nach Fröhlich handelt es sich um einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem die Alltagswelt des Kindes im Vordergrund steht und therapeutische und pädagogische Inhalte in den täglichen Ablauf einfließen. Besonders betont wird die Rücksichtnahme auf die emotionalen Bedürfnisse des Kindes und der emotionale Charakter der verschiedenen Situationen und Materialien, die angeboten werden.
Ganzheitlichkeit ohne hierarchische Ordnung:
Wahrnehmung Gefühle
Körpererfahrung Sozialerfahrung
Durch Angebote an verschiedenen ausgewählten Reizen soll die Sensibilität der Erfolgsorgane bzw. des Zentralnervensystems für den jeweiligen Reiz geweckt und gestärkt werden. Das Ziel ist der Aufbau einer Bewegungs- und Wahrnehmungsaktivität wie bei einem Baby am Ende des 4. Lebensmonats. Hier beginnt das Baby, selbst aktiv Erfahrungen zu sammeln.
Der Begriff wurde von Fröhlich so definiert:
1. "basal": Die angeborenen Reize, also die Objekte, die das Kind wahrnehmen, mit seinen Sinnen aufnehmen soll, sind allereinfachster Art. Sie werden auf ein Mindestmaß an innerer Differenzierung reduziert, sie fordern vor allem keinerlei Vorkenntnisse und Erfahrungen, um sie aufzunehmen. Sie sind die Basis höherer Wahrnehmung.
2. "Stimulation": Hiermit wird ausgedrückt, dass das Kind zunächst einfache Reizangebote gemacht bekommt, es wird stimuliert. Anzahl, Art und Dauer der Reize werden zunächst von außen, d.h. vom Therapeuten, vom Erzieher festgelegt. Er reagiert mit seinem Angebot auf die Reaktion des Kindes. Das Kind selbst agiert zuerst mehr indirekt.
Basale Stimulation bedeutet, dass dem Kind ein Lernen auf elementarster Stufe möglich gemacht wird.
Der Therapeut gibt dem Kind in allen Wahrnehmungsbereichen Anregungen, die das Kind aufgrund der Sinnesschädigung oder durch das Fehlen gezielter motorischer Aktivitäten nicht selbst machen konnte. Eine große Rolle spielt dabei die Wahrnehmung. Über die taktilen Rezeptoren wie Tast-, Druck- Berührungs- und Temperatursinn.
So soll das Kind Erfahrungen machen und dabei beginnen, seine Haut, seine Bewegung, seine Augen und Ohren und seine Aufmerksamkeit zur Verfügung zu stellen.
Fröhlich unterscheidet nach einer Hierarchie der Sinne.
Dominanzen der Wahrnehmung:
SOMATISCH, VESTIBULÄR, VIBRATORISCH, AKUSTO-VIBRATORISCH, ORAL, AKUSTISCH, TAKTIL ,HAPTISCH, VISUELL
Es wird angenommen, dass auch sehr schwer behinderte Menschen in drei Bereichen immer ansprechbar sind (1-3).
1. Somatische Anregung
Berührung und körperliche Nähe sind die Grundelemente der frühesten Kommunikation zwischen Mutter und Kind. Eine nur sprachlich-stimmliche Kommunikation bewirkt in uns kaum jenen emotionalen "Sättigungszustand", nach dem wir uns so häufig sehnen.
Bei der Förderung schwerstbehinderter Kinder sollen alle Wahrnehmungsbereiche zum Tragen kommen.
Somatische Wahrnehmung spielt auf einem frühen Entwicklungsniveau die wesentlichste Rolle. Die Wahrnehmung, die das Kind über seine Körperfläche aufnimmt, sei es Berührung, Bewegung, Druck, Temperatur ist sehr eng mit emotionalen Empfindungen verbunden. Dies scheint zu bedeuten, dass Wahrnehmung auf dieser frühen Stufe nie distanziert kognitiv stattfindet, sondern ganzheitlich, emotional unterlegt.
Das Kind soll lernen, seine Körperoberfläche als Wahrnehmungsorgan zu nutzen und motorisch zu reagieren. Es soll lernen, Reize an seinem Körper zu lokalisieren und so ein Körperschema aufzubauen, es soll diese Gefühle ganzheitlich zum Ausdruck bringen.
Der Austausch von Zärtlichkeiten ist ein menschliches Grundbedürfnis. Indem wir uns gemeinsam mit dem Kind in eine "Kuschelecke" zurückziehen, es locker umarmen und dabei leicht wiegen, geben wir dem Kind Nähe und Geborgenheit zu spüren, was ganz wesentlich zum Aufbau einer Beziehung ist. Unterschiedliche Erfahrungen habe ich mit dem "Kugelbad" gemacht. Während manche Kinder diese Erfahrung scheuen, genießen andere den Kontakt mit den Kugeln, wühlen sich liegend regelrecht hinein und nehmen staunend zur Kenntnis, dass sie durch Bewegungen ihres Körpers die Positionen der Kugeln verändern können.
- Baden: Schaum, Bürsten, Waschlappen, Wasserstrahl,...
- nach dem Baden: abfrottieren, bürsten, massieren, eincremen,...
- Alltägliche reale Erfahrungen: im Sand, Gras liegen, streicheln,...
- Stimulation mit Rasierschaum
- Abbürsten mit verschiedenen Materialien: Fell, Bürste,...
- Berieseln mit Naturmaterialien: Reis, Sand, Bohnen,...
- Trockenbaden in verschiedenen Materialien: Bälle, Styropor,...
- Abfönen: kalt, warm
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18.02.2007, 13:20
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2. Vibratorische Anregung:
Das Empfinden von Schwingung ist eine der frühesten und elementarsten menschlichen Fähigkeiten, die schon in der frühen Schwangerschaft vom Kind beherrscht wird. Bei intensiver körperlicher Nähe wird die menschliche Stimme zweifellos in vielen Anteilen ihres Spektrums vibratorisch aufgenommen und als besonders intensiv erlebt.
Die Beziehung des eigenen Körpers zu Schwerkraft und Gleichgewicht steht im Vordergrund. Bereits auf einer sehr frühen Entwicklungsstufe reagieren Kinder sehr deutlich auf Schaukel-, Dreh-, Auf- und Abbewegungen, in dieser Zeit werden Stereotypien beispielsweise nicht durchgeführt. Als Unterrichtsmaterial bieten sich Hängematte oder Hängekorb an. Geübt werden soll auch, den Kopf im Raum zu orientieren, Beschleunigung in verschiedene Richtung wahrzunehmen und den Körper nicht nur auf eine Auflagefläche hin zu empfinden.
Das Kind soll Schwingungen empfinden. Bei akusto-vibratorischer Stimulation soll das Hörorgan synchron angeregt werden.
- Stimmliche Anregung in engem Körperkontakt
- Einsatz von Musikinstrumenten: Gitarre, Gong, Becken; Klangstäbe,...
- Schwingbrett
- elektrisch verstärkte Vibration: Lautsprecher. Vibrationswürfel,...
3. Vestibuläre Anregung:
Beziehung des eigenen Körpers zu Schwerkraft, Gleichgewicht
Das Kind soll Beschleunigungen in verschieden Richtungen wahrnehmen (Auf/ Abwärtsbewegungen, Drehkraft), es soll den Körper nicht nur als Auflagefläche empfinden, es soll einen entsprechenden Muskeltonus aufbauen, es soll den Kopf im Raum orientieren können.
- umhertragen, drehen, herumschwingen,...
- Rad fahren
- Hollywoodschaukel
- Schaukelstuhl
- Hängematte, Hängekorb
- Wackelbrett
4. Orale Anregung:
Der Mundbereich soll aktiviert, für verschiedene Bereiche sensibel gemacht werden. Das Kind soll seinen Mund zum Erkunden von Eigenschaften nutzen, es soll Hand und Mund koordinieren können:
- Berühren und Streicheln des äußeren Mundbereiches mit kühlen Objekten
- Zähne bürsten, Kauschwämmchen, Kausäckchen,...
- Knabberspielzeug
- Finger-Mundspiele
- Indianergeheul
- Brummende Küsse
- Spieldinge zum Mund führen
5. Geruchs- und Geschmacksanregung:
Das Kind soll lernen, dass Nase und Mund Eindrücke vermitteln können, die das Wohlbefinden steigern. Bei vielen schwer geistig behinderten Menschen, wo wir von "autistischen" Zügen sprechen, zeigt sich eine besondere geruchliche und geschmackliche Faszination, die wir berücksichtigen sollten. Die geschmackliche Wahrnehmung dient in erster Linie zur Informationsentnahme hinsichtlich essbarer Dinge. In frühester Kindheit fallen Nahrungsaufnahme und Kommunikation jedoch unmittelbar zusammen (Stillen, Fläschchen). Eine der intensivsten kommunikativen Begegnungen bleibt das Küssen, wobei wir wieder unseren Mund benutzen, um Beziehung spürbar werden zu lassen. Material: Duftfläschchen, Nahrungsmittel.
- Riechfläschchen
- Orientierung von Spielzeug und Bezugspersonen
- Knabberspielzeug mit verschiedenen Geschmacksrichtungen
- Pipette mit verschiedenen Geschmacksstoffen
- Geschmackliche Intensivierung von Speisen
6. Akustische Anregung:
Das Kind soll lernen, auf nicht unmittelbar körperbezogene Reize (Schwingungen, Töne) zu reagieren, ihre Bedeutsamkeit zu erkennen und sich räumlich nach ihnen zu orientieren. Ich erzeuge mit körpereigenen (Stimme, Hände) und anderen Instrumenten Geräusche aus verschiedenen Richtungen und beobachte die Reaktion des Kindes (Kopfdrehen). Es soll eben erkennen, dass Töne, Geräusche und Laute aus verschiedenen Richtungen kommen, dass sie verschiedene Qualitäten haben, dass sie Informationscharakter haben. Die Kinder sollen auch selbst Geräusche produzieren.
- Kontraste: laut/leise, schnell/langsam, hoch/tief
- Sprache als akustische Anregung
- Seitenhören: Boxen links/rechts
- Instrument und Eigenaktivität: Becken, Klangstäbe, Saiteninstrumente,...
- Rasseln und Geräuschspielzeug: Kunststoffröhren gefüllt mit...
- Reale Erfahrungen: Kaffeemaschine, Töpfegeklapper,...
7. Visuelle Anregungen
Das Kind soll lernen, einfachst strukturierte Reize zu fixieren, die Augenstellung willkürlich zu aktivieren, Augenmitbewegungen und Kopforientierung anzubahnen. Alltägliche Objekte wie Spielzeug, Menschen und Gesichter sollen als "Sehdinge" aufgefasst werden. Da die visuelle Wahrnehmung einer höheren Stufe zugehörig ist, sollte das Kind bereits ein Fundament an sensorischer Wahrnehmung gesammelt haben.
Das Kind soll einfache Reize fixieren, seine Augenstellung willkürlich aktivieren. Augenmitbewegungen und Kopforientierung sollen angebahnt werden.
8. Taktil - Haptische Anregung:
Das Baby macht die Erfahrung, dass es berührt wird, dass es gehalten wird, dass es gestreichelt wird, An- und Ausziehen, Baden, Füttern, all dies findet in Berührung und in unmittelbarem Körperkontakt statt. Es erlebt sich als akzeptiert, es erlebt körperliche Nähe und dadurch Sicherheit. Später entwickeln sich Spiele mit den Händen, Berührungsrituale werden aufgebaut, spielerisches Raufen hat ebenfalls eine wichtige kommunikative Bedeutung. Aber auch für den erwachsenen Menschen spielt die Berührung in der Kommunikation eine wesentliche Rolle. Vom Ritus des Händeschüttelns bis zur zärtlichen Umarmung machen wir Mitteilung über unsere Haut. Das Kind soll lernen, seine Hand als Tast- und Greiforgan zu verwenden, bestimmte Eindrücke zu bevorzugen, andere zu vermeiden, es soll erste Handlungsschemata (Tasten) aufbauen. Für körperbehinderte, im Rollstuhl sitzende oder liegende Kinder eignet sich besonders eine in optimaler Höhe angebrachte Tastwand, auf der sich unterschiedliche Materialien finden (weich, rau, angenehm, weniger angenehm). Felle, Filz, Seide, Baumwolle, Bürsten, Schaumgummi, Steine, Federn oder Murmeln sind Materialien, mit denen man die Handinnenfläche der Kinder berühren kann. Zu bevorzugen sind alle Materialien, die angenehme Empfindung hervorrufen, da die Kinder auch ohne unser Zutun meiner Meinung nach genug unangenehme Empfindungen erleben.
Die sensiblen Bereiche der Hand und des Mundes sollen dem Kind deutlich gemacht werden. Dem Kind soll eine Möglichkeit geschaffen werden, Dinge festzuhalten. Das Kind soll erkennen, dass sich Dinge charakteristisch anfühlen.
- Desensibilisierung/Sensibilisierung der Handinnenflächen:
versch. Materialien, versch. Temperaturen, Dinge des täglichen Gebrauchs,..
- Erste Tast und Greifaktivitäten: Händewaschen, Wühlen im Sand, klatschen, Hände in den Mund,...
- Aufbau des Festhaltens: Greiflinge mit versch. Oberflächen, Rasseln, Kind zum Sitzen aufziehen,...
- "Fallen lassen", Hineinwerfen in einen Eimer, Finden im Wühlmaterial,..
9. Akusto-vibratorische Stimulation:
Viele Kinder mit schwerer geistiger Behinderung empfinden Vibration als sehr attraktiv, sie scheint wesentlich intensiver aufgenommen zu werden als nur auditive Schwingung. Als Material dazu gibt es Vibrationsschlangen, vibrierende Matratzen, Boxen einer Musikanlage. Synchron dazu soll das Hörorgan angeregt werden und so das reine Hören aufgebaut werden. Gute Erfahrungen habe ich auch damit gemacht, die Hand des Kindes an meinen Kehlkopf zu legen, während ich spreche oder verschiedene Laute nachahme. Das Kind soll lernen, dass hörbare Töne in einer angenehmen Beziehung zu ihm selbst stehen.
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Aus dem Gesamtfeld der somatischen Wahrnehmung gliedert sich immer mehr ein oraler Schwerpunkt heraus. Der Mund wird zunehmend zum Wahrnehmungsorgan, die natürliche Anlage differenzierter Rezeptoren kommt erst nach längerer Entwicklung zum Tragen. Erst in dieser Zeit, wenn orale Wahrnehmung vom Kind als bedeutsam erlebt wird, können auch lautliche Aktivitäten beobachtet werden. Später sind Tendenzen feststellbar, dass die Hände und Füße mit ihrer ebenfalls biologisch besseren Ausstattung zum Wahrnehmungsorgan werden.
Wir stellen beim schwerstbehinderten Kind zwei Phasen fest. Die erste, die wir "taktile" nennen, in der das Kind bevorzugt an den Handinnenflächen berührt wird, hierbei ausgeprägtere und differenziertere Reaktionen zeigt und eine zweite, die wir "haptische" nennen, in der das Kind selbst beginnt, Tastaktivitäten zur intensiveren Wahrnehmung durchzuführen. Auf einem wesentlich höheren Niveau kommt es nun dazu, dass aus der vibratorischen über eine akusto-vibratorische eine akustische Wahrnehmungsfähigkeit entsteht. Erst dann ist das Kind in der Lage, Schallereignisse als bedeutungsvoll zu erleben.
Die Reihung dieser Wahrnehmungsbereiche ist von unmittelbarem pädagogischem Interesse. Ich kann beispielsweise nicht von einem Kind erwarten, dass es meine liebevolle Stimme wahrnimmt, wenn ich es aus etwa einem Meter Entfernung anspreche, und es diese Entwicklungsstufe noch nicht erreicht hat. Es wird nur dann auf eine Stimme reagieren können, wenn es in unmittelbarem Körperkontakt diese Stimme schwingen spürt.
Diese Dominanz von Wahrnehmungsbereichen im Laufe der Entwicklung lässt sich noch nicht zeitlich festlegen. Sie kann im Einzelfall sehr schnell wechseln, bei anderen Kindern aber auch sehr lange auf einem Niveau bleiben.
Visuelle Wahrnehmung ist einer höheren Stufe zugehörig, wenn man davon absieht, dass es einige Grundmuster gibt, die Kinder schon früh faszinieren können. Diese auch bei gesunden Säuglingen festgestellten Phänomene bleiben aber bei schwerstbehinderten Kindern sehr lange bestehen, sodass zunächst einmal angenommen werden kann, dass visuelle Wahrnehmung erst dann sinnvoll gefördert werden kann, wenn - unter Berücksichtigung sinnspezifischer Ausfälle - das Kind ein Fundament an sensorischer Wahrnehmung der beschriebenen Art gesammelt hat.
Die Stimme und die sogenannten Vitallaute sind bei dem von uns hier besprochenen Personenkreis häufig monoton und eingeschränkt. Die ganze Modulationsfülle einer Kinderstimme fehlt oft. Es ist durchaus möglich, auch an der Stimme selbst spielerisch, sensomotorisch zu arbeiten. Hat man z.B. ein Kind auf dem Schoß, spielt mit ihm "hoppe, hoppe Reiter" und versucht, dabei nicht nur das Kinderlied zu singen, sondern das Kind zu ermuntern, selbst "Stimmen zu machen", so kann man durch unterschiedliches Auf und Ab mit den Knien das Kind veranlassen, mit zu brummen, sich mit der Stimme auf das Schütteln einzulassen. Modulationen können dann über unsere Motorik angebahnt werden. Ebenso können vorsichtig vibrierende Objekte auf Brustbein, Kopf, manchmal auch am Hals, Kinder anregen, sich mit ihrer Stimme auf dieses Brummen einzustellen. Nicht ganz einfach, aber durchaus erlernbar, ist eine Atemunterstützung durch ein vibrierendes Händeauflegen auf den Brustkorb mit beständigem nicht zu starkem Druck, was häufig eine ausgeprägtere Stimmgebung im Gefolge hat.
Gesprochene Sprache ist unter Bewegungsaspekten das Resultat von Atembewegungen, Kehlkopf-, Gaumensegel-, Kiefer-, Zungen- und Lippenbewegungen. Frühe Phasen der sog. vorsprachlichen Lautentwicklung haben sensomotorischen Charakter. Spielerische Bewegungen im Mundraum führen zu Lautprodukten, die wiederholt und variiert werden. Der Körper selbst als Ausdrucksorgan steht nur bedingt zur Verfügung: unkoordinierte Bewegungen irritieren das Kind und sein Gegenüber, der kommunikative Austausch ist gestört. Zu den wichtigsten Körpererfahrungen der frühen Kindheit zählen Essen, Trinken, Saugen und Lutschen. Nun sind es gerade die Schwierigkeiten beim Saugen und Schlucken, beim Mundschluss und bei Zungen- und Kieferbewegungen, die für mehrfach behinderte Kleinstkinder oft charakteristisch sind. Nicht selten sind frühe Phasen durch "künstliche" Ernährung geprägt, positive orale Erfahrungen werden noch seltener, insbesondere, wenn das Kind dann auch Probleme bei der Hand-Mund-Koordination hat.
Sprache und die anderen kommunikativen Mittel sind auf ein Gegenüber gerichtet. Ein dauernder Austauschprozess von aufeinander bezogenen Mitteilungen kann von frühester Zeit an, sogar z.T. intrauterin, angenommen werden.
Auch der schwerstbehinderte Mensch kann trotz Sprachunfähigkeit über die Sprache Kontakt aufnehmen, er zeigt ein gewisses Sprachverständnis.
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18.02.2007, 13:21
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Nicht vergessen werden darf nach innerhalb eines Konzepts der Förderung von schwer geistig und mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen die pflegerische Betreuung. Waschen, Wickeln und das Verabreichen von Nahrung gehören selbstverständlich ebenfalls zu den Grundbedürfnissen. Auch im Rahmen dieser Tätigkeiten darf von der Möglichkeit einer basalen Stimulation gesprochen werden. Sanftes Einseifen und Abwaschen, Abtrocknen und Eincremen stimulieren die Körperoberfläche positiv. Der häufig vorkommenden "Tragödie" des Zähneputzens kann entgegengewirkt werden, wenn schrittweise vorgegangen wird. Bevor das Kind mit einer Zahnbürste in seinem Mund konfrontiert wird, muss es zunächst einmal im Mund- und Gesichtsbereich angenehm stimuliert werden. Viele Vorübungen bieten sich an: Streicheln im Gesicht, zartes Berühren und Cremen der Lippen, etc.
So lassen sich unangenehme und mitunter sogar schmerzhafte Erfahrungen vermeiden. Basale Stimulation kann durchaus ohne eine Vielzahl von speziell dafür produzierten, teuren Hilfsmitteln durchgeführt werden (Körperwäsche, Trocknen, Haare föhnen, etc.)
Man muss das Kind nicht in ein Kugelbad legen, wenn ich im Garten eine schöne Wiese habe, wo Gras und Blumen stimulierend wirken können. Der Fantasie des Sonderpädagogen sind keine Grenzen hinsichtlich des Materials gesetzt, solange der Schüler und sein Wohlbefinden im Mittelpunkt seiner Überlegungen stehen und er sich hinsichtlich des individuellen Förderprogramms die Lernziele und -inhalte immer wieder in Erinnerung ruft.
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18.02.2007, 15:20
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