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  #1  
Alt 22.05.2005, 12:37
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
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Standard Tiere als Familienmitglieder

Hallo,

Tiere als Familienmitglieder können Fluch oder Segen sein. Damit sich interessierte Familien vor der Anschaffung eines Tieres informieren können, ob überhaupt ein Tier und wenn ja, welches Tier in die Familie aufgenommen werden kann - zum Wohle aller (also auch zu dem des Tieres) - , habe ich begonnen, hierzu Informationen zu sammeln.

Da ich mich zu diesem Thema zu wenig auskenne, habe ich Herrn Rosenlöcher von Tiervermittlung.de gebeten, uns mit fachlichen Informationen zu unterstützen.

Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich für die Unterstützung bedanken: Herr Rosenlöcher hatte meine Anfrage an über 400 (!) Tierschutzorganisationen bzw. Tierheime weitergeleitet. Somit werden wir sicherlich viele hilfreiche Tipps von Menschen erhalten, die sich intensiv mit den unterschiedlichsten Tierarten beschäftigen.

Ich werde diese Informationen hier nach und nach einstellen.

Nur, wenn Mensch und Tier sich wohl fühlen, kann das Leben miteinander schön sein. Daher sollten auch die Bedürfnisse der Tiere möglichst optimal erfüllt werden. Es ist klar, daß Kinder dies nicht alleine - in eigener Verantwortung - erfüllen können. Nur wenn die gesamte Familie hinter dem Entschluß steht, ein Tier in die Familie aufzunehmen, kann das gemeinsame Leben "segensreich" sein ...

LG

Mary
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  #2  
Alt 23.05.2005, 11:05
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Mary Mary ist offline
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Ort: Dortmund
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Standard

Hallöchen,

ich habe einige sehr informative Emails erhalten. Herzlichen Dank an dieser Stelle an jeden, der uns mit seinem Wissen unterstützt.

Damit die Informationen zu den verschiedenen Tierarten etwas leichter zu finden sind, habe ich mir überlegt, folgende Themen zu eröffnen:

Kleintiere als Familienmitglieder (also z. B. Kanninchen, Meerschweinchen usw.)
Katzen als Familienmitglied

Hunde als Familienmitglieder

Alle Emails, die zu verschiedenen Tierarten (oft vergleichend) eingehen, werde ich hier als Antwort veröffentlichen.

Die Veröffentlichung dauert noch ein wenig, weil ich z. T. noch das OK einholen muss. Ich bitte um ein wenig Geduld.

LG

Mary :-)
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  #3  
Alt 23.05.2005, 11:09
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Mary Mary ist offline
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Standard Hilfreiche Infos von Carolin Billinger

Liebe Frau Gührke,

Ihre Mail wurde uns von tiervermittlung.de weitergeleitet.
Wir sind ein Verein im Landkreis Dahme-Spreewald und betreiben ein Tierheim in Märkisch Buchholz (Infos unter www.tierheim-kw.de ).

Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen lassen sich leider nicht pauschal beantworten.
Es gibt zwar 'Eckpfeiler', was bei der Anschaffung eines Tieres allgemein und im Besonderen, wenn ein behindertes Kind im Haushalt ist, beachtet werden sollte. Aber leider gibt es keine 'Kochrezepte', denn die Voraussetzungen, die jede Familie mit bringt, sind doch sehr verschieden.

Es beginnt damit, welchen Zugang die Eltern zu Tieren haben.
Sind sie selbst mit Tieren aufgewachsen, bereichert für sie ein Tier das allgemeine Familienleben als Partner, Freund und Familienmitglied?
Oder soll das Tier 'fürs Kind' sein? Soll es quasi als Unterstützung dienen, ein 'Therapiebestandteil' sein, weil man gehört hat, dass ein Tier hilfreich sein könnte?

Die Art, welchen Zugang die Eltern zum Tier haben, ist entscheidend.
Gute Chanchen hat Variante 1.
Über das unkomplizierte Integrieren eines Tieres auf dieser Grundlage wird ein zwangloser, offener Umgang mit dem Tier wahrscheinlich sein. Es gehört dazu, bereichert - letztlich auch das behinderte Kind - nur durch seine bloße Existenz.
Variante 2 ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Das Tier wird als Objekt gesehen, von ihm wird eine Leistung erwartet. Damit wird es in jedem Fall überfordert sein. Missverhältnisse kommen ins Spiel: man hat sich mehr erhofft, ist in seinen Erwartungen ans Tier enttäuscht. Ein Tier macht Arbeit, Dreck, kostet Geld, Zeit und Geduld...
Bin ich als Elternteil eines behinderten Kindes bereit und in der Lage dazu....? Ist die ganze Familie sich der Verantwortung bewußt und bereit, diese langfristig zu übernehmen? Alle, wirklich alle (z.B. auch Pflegekräfte, die stark involviert sind) müssen mit der Anschaffung eines Tieres einverstanden sein. Ansonsten ist davon abzuraten.

Auf die Frage, welche Tierart zu bevorzugen und von welcher abzuraten ist, kann auch nicht pauschal geantwortet werden.
Was für die eine Familie zutreffen würde, ist für die andere nicht gerade von Vorteil.
Bei einem Kind mit einem Spasmus z.B. sollte besser ein größeres Tier im Haushalt leben (z.B. Hund), da ein Meerschwein oder Hase mit den motorischen Besonderheiten eher früher als später Schaden nehmen wird.
Für ein schwer mehrfach behindertes Kind, welches evtl. im Rollstuhl sitzt, wäre eine ältere, ruhige Katze zu empfehlen. Die setzt sich auf den Schoß, das Kind kann die Wärme spüren, das Schnurren hören. Die Katze ist dann aber auch wieder unterwegs, kann beobachtet werden. Eine Katze macht auch nicht so viel 'Arbeit' kümmert sich auch viel um sich selbst und verlangt nicht so viel Zeit wie ein Hund.
Der Faktor Zeitaufwand ist gerade bei schwerer behinderten Kindern, die selbst viel Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen, sehr in die Wahl des Tieres mit einzubeziehen.
Vielleicht ist auch ein Aquarium die beste Anschaffung die man tätigen kann....?

Wir würden Eltern in der von Ihnen beschriebenen Lage empfehlen, sich an einen nahegelegenen Tierschutzverein oder ein Tierheim zu wenden, um sich beraten zu lassen. Bei einem Beratungsgespräch können die individuellen Begebenheiten der Familie berücksichtigt werden. Keine Scheu, es werden keine Tierheimtiere 'aufgeschwatzt'. Uns ist sehr daran gelegen, dass unsere Tieren optimal vermittelt werden und alle Beteiligten mit der Anschaffung glücklich werden. Im Zweifelsfall wird eher ab- denn zugeraten.

Sollten Sie noch Fragen haben, so können Sie mich gerne direkt anmailen.

Viele Grüße

Carolin Billinger

(c) 2005 Carolin Billinger
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  #4  
Alt 12.06.2005, 05:44
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Mary Mary ist offline
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Hallo liebe Frau Gührke,

man hat uns, dem Tierheim Paderborn Ihre Email weitergeleitet. Sicher gibt es da viele Fragen, Sie können gern auch mal im Tierheim anrufen, wenn sie Konkretes wissen wollen.

Da Tiere ja genau wie Menschen sehr unterschiedliche Charaktere haben, möchte ich hier ungern bestimmte "geeignete" Rassen nennen. Jedes Tier ist eben anders. Sicher lohnt sich aber immer der Gang ins Tierheim, die Mitarbeiter kennen die Tiere und können falls vorhanden, einen geeigneten Kandidaten vorstellen.

So gibt es sehr zickige Katzen, aber auch ruhige liebe. Vor allem viele Kater machen jeden Scherz mit und sind dabei oft fröhlich und unbeschwert. Bei den Hunden ist es auch sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen empfiehlt man für Kinder und eine Familie gern einen Golden Retriever oder Labrador. Diese Hunde sind so gezüchtet, daß sie unendlich viel Geduld haben. Aber auch da keine Verallgemeinerung, es kommt immer auch auf den Züchter bzw. das Zuhause an. Auch etliche Kleintiere sind gut geeignet, vorallem Ratten werden da genannt...Aber immer vorrausgesetzt, die Eltern sind bereit sich die Pflege des tierischen Hausgenossen auch noch anzutun.....

Vor kurzer Zeit konnten wir einer netten Familie mit einem behinderten Kind einen Hund vermitteln. Man hatte bereits mal einen jungen Hund in Pflege gehabt und die Mutter mußte feststellen, daß sie mit Kind und dem unerzogenen Hund einfach zuviel zu tun hatte. Der Hund war aber ja nur in Pflege. Später suchte sich die Familie einen ruhigen (allerdings Doggen-großen) Rüden bei uns aus. Auf Spaziergängen wurde getestet, wie der Hund auf das Kind reagierte. Er war schon 8 Jahre alt und ein sehr lieber gemütlicher Kerl. So war es auch möglich den Kinderwagen zu schieben und gleichzeitig den Hund zu führen. Alle sind zufrieden. Ist natürlich ein Happy End für alle, denn nicht viele nehmen einen alten großen Rüden, der auch noch schwarz ist.

Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung,

Mit freundlichen Grüßen
Svenja Fricke,
Tierheim Paderborn

www.tierheim-paderborn.de


(c) 2005 Svenja Fricke
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  #5  
Alt 12.06.2005, 11:31
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Hallo Karsten,

die Frage lässt sich sicher pauschal sehr schwer beantworten.

Ein mittelgroßer Familienhund (hier plädiere ich zu Mischlingen ohne besondere Rasseeigenschaften)ist sicher gut angebracht (habe ich im Bekanntenkreis - behindertes Kind), aber auch eine Katze (in dem Fall sollte aber auf ein Jungtier verzichtet werden), welche gut streichelbar ist, ist für behinderte Kinder sehr gut. Gerade Kinder mit Störungen,
welche die Sprache anbetreffen sind mit "Anfasstieren" sehr glücklich. Da macht sich die Katze recht gut , da sie keine "wörtlichen" Befehle benötigt wie ein Hund.

Dasselbe gilt für Nager - wobei man hier bedenken muss, das viele Nager nicht einzeln gehalten werden sollen bzw. nachtaktiv sind.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen - für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüssen

Ihre Katrin Achek
(Animal Respect)
Öffentlichkeitsarbeit

(c) 2005 Katrin Achek
(Diese Email wurde uns über Tiervermittlung.de weitergeleitet)

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  #6  
Alt 12.06.2005, 11:46
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Hallo

Danke erstmal das sie sich bei uns gemeldet haben. Unsere Erfahrungen sind, das Tiere behinderten Kindern gut tun ... sie sind auf eine Art und Weise behilflich. Viele Kinder blühen so richtig auf, wenn sie einen Hund streicheln oder ein anderes Tier füttern dürfen. Ich möchte nun auf die Einzelnen Fragen eingehen.

- Worauf sollten Eltern achten, wenn sie ein Tier in die Familie integrieren möchten?

Bei einem Hund:

Das der Hund Kinder kennt falls er älter ist. Ansonsten würde ich zu einem jüngeren Hund raten, der das Kind in seiner Art und Weise von Anfang an kennen lernt.
Bitte lassen sie einen Hund niemals mit einem Kind ohne Aufsicht. Kinder verhalten sich Grundsätzlich falsch Hunden gegenüber. Sie sind laut, schreien und bewegen sich oft viel zu hektisch. Das löst in dem Hund eine Unsicherheit aus wobei es dann schon mal vorkommen könnte, das er schnappt, aber das auch nur aus Angst und nicht aus Bösartigkeit. Einige Kinder (selbst hier bei unseren Hunden erlebt) hauten Hunden oft auf die Nase, ziehen am Fell und Schwanz, was dem Hund veranlasst eine Typische Schnappbewegung zu äußern. Ein ganz normales Verhalten für einen Hund, für Menschen erschreckend und meistens gibt es dann ärger für den Hund ... was nicht richtig ist!

Ich persönlich bitte die Eltern immer wieder, sich alles nochmals zu überlegen so lang das Kind sehr jung ist. Die meisten Unfälle passieren zu Hause mit dem eigenen Hund und Kind.

Bei einer Katze:

-Katzen sind meistens unabhängig vom Menschen und da sollte man bedenken, wenn ein Kind mit der Katze schmusen möchte, das Katze ausholt und haut! Und das oftmals nicht ohne Kratzer passiert.

Bei Nagern:

-Nager sind leicht verletzbar z.B. Quetschungen beim zu kräftigen drücken des Tieres. Da würde ich von abraten.

- Welche Tierrassen gelten als besonders umgänglich - von welchen Tierrassen würden Sie eher abraten?

Ich persönlich würde sagen ein Familienhund. Rassen die ein ruhiges Wesen haben und wo die Reizschwelle sehr hoch ist, dazu gibt es im Internet Seiten, wo die genaue Rassenbeschreibung bei steht. Es würde jetzt diese Mail hier sprengen, da es selbst bei den Rassen wieder unterschiedliche Hunde gibt. Es gibt sicherlich Hunde die niemals Kinder kennen gelernt haben oder aber von Kindern misshandelt wurden und heute keine Kinder mehr leiden mögen. Da sollte man sich genaueste Infos vom jetzigen Halter bzw. von der Pflegestelle geben lassen.

Mit freundlichem Gruß
Silke Salamon
http://www.tierschutzfarm-pfotenglueck.de

© 2005 Silke Salamon
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  #7  
Alt 12.06.2005, 12:08
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Hallo Frau Gührke,

meines Erachtens nach, eignen sich vor allem "erziehbare" Tiere zum Kontakt zu behinderten Kindern - bei Kleintieren eher ausgeschlossen (wobei es hier auch immer auf den Grad der Behinderung ankommt!). Vor allem ruhige Katzen, Hunde, Pferde (evtl. selber körperlich eingeschränkte Tiere) sind da geeignet und haben dem Kind gegenüber auch
die Geduld und eine hohe Akzeptanz.

In den Tierheimen sitzen oft die genialsten Tiere und hier hat man auch den Vorteil, das die Pfleger die Tiere - leider oft schon länger - kennen und Ihnen ein realistisches Bild der Tiere aufzeigen werden und können und sie natürlich auch vorher probieren können, ob der Funke überspringt oder nicht (Sie wissen ja, das Tier sucht sich seinen Menschen aus und nicht umgekehrt!)

Kleintiere wie Mäuse, Meerschweinchen oder Hasen sind eher nicht so geeignet, da sie sehr zerbrechlich sind und wie schon oben erwähnt, nicht erziehbar sind. Aber auch hier gibt es sicher Ausnahmen - als den Regelfall würde ich es aber nicht betrachten! Aus unserer Erfahrung in Bezug auf Meerschweinchen, beurteilen wir Meerschweinchen als Kindertiere eher skeptisch aufgrund der körperlichen Voraussetzungen der Meeris und der eingeschränkten Wehrhaftigkeit.

Spezielle Rassen sind z.B. bei Hunden die so genannten Familienhunde wie Boxer, Bernhardiner ö. ä. Bei Katzen eignen sich eigentlich alle Rassen, speziell aber auch z.B. die Maine Coone (sehr geduldig und wenig dominant). Aber wie schon gesagt, hier lohnt sich auf jeden Fall der Gang in ein Tierheim oder auf Gnadenhöfe (hier in Bezug auf Pferde).

Gute Tierheime haben sicher auch nichts dagegen, wenn man "bloß" mal schnuppern kommt, da hier vor allem sehr sozial engagierte Menschen arbeiten und viel Verständnis für die verschiedensten Ansprüche an Tierhaltung haben.

Zur Integration in die Familie: Das Kind sollte das Tier auf jeden Fall vorher kennen lernen - Überraschungen sind hier total fehl am Platz!

Ohne Kennen lernen vorab ist nicht sichergestellt, das Tier und Mensch miteinander können!

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein bisschen weiterhelfen (Erfahrung aus mehreren Jahren aktive Mitarbeit bei der Meerschweinchenhilfe und im Katzenheim).

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihre Aufgaben und hoffe, dass Sie vielen Kindern den Wunsch nach einem Tier erfüllen können, weil mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen wurde, das der kurze Kontakt nicht ausreicht, um positive Einflüsse zu haben - die ständige Anwesenheit eines Tier-Freundes (wie bei uns auch) sorgt für den positiven Effekt.

Liebe Grüße

Ina Hegewald
Meerschweinchenhilfe

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  #8  
Alt 12.06.2005, 20:50
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Sehr geehrte Frau Gührke,

der Webmaster der Seite www.tiervermittlung.de hat mich angeschrieben, dass Sie Unterstützung suchen, wie Eltern behinderter Kinder bezüglich der Anschaffung eines Tieres beraten werden können.

Allgemein gilt natürlich, dass einige Tierarten m.E. generell weniger geeignet sind. Insbesondere aufgrund der Lebensgewohnheiten der Tiere.

Zum Beispiel sind die so beliebten Hamster überhaupt nicht als Streicheltiere geeignet; erstens versetzt sie das Anfassen in Stress, zweitens sind sie nachtaktiv.

Katzen sind oft besonders eigenwillig und kratzen und beissen wenn ihnen etwas zu viel wird, das kann auch schon zu langes streicheln sein.

Kaninchen sind, will man sie artgerecht halten, nicht für eine Zimmerhaltung geeignet, da ein normaler Käfig, sei er auch noch so groß, dem Bewegungs- und Grabebedürfnis der Tiere nicht entspricht. Und ich denke, die Eltern eines (insb. behinderten) Kindes haben meist anderes zu tun, als den Freilauf zweier! (sie sind Rudeltiere und brauchen unbedingt einen Partner) Kaninchen zu überwachen, der bei einer Wohnungshaltung nötig wäre. Sollte ein Freigehege im Garten vorhanden sein, dann wären diese Tiere, wenn sie zahm sind, sicher für Kinder eine schöne Sache.

Meerschweinchen müssen auch mind. zu zweit gehalten werden, haben den Vorteil eine angeborene Beißhemmung zu haben und sind auch pflegeleichter als Kaninchen.

Hunde sind sehr zeitaufwenig, normalerweise muss man von zwei Stunden Spazierengehen über den Tag verteilt ausgehen (ist natürlich auch rasseabhängig), alles andere führt zu nervenden, unzufriedenen Hausgenossen. Und Zeit für Erziehung und Pflege braucht es natürlich zusätzlich.

Auch ein Aquarium oder eine Vogelvoliere kann zum beobachten eine schöne Sachen sein.

Niemals würde ich - egal ob es um ein gesundes oder ein behindertes Kind geht, ein Tier empfehlen, wenn die Eltern nicht selbst etwas Spaß an der Sache haben. Ich denke, das kann langfristig nicht gut gehen. Welches Tier geeignet ist hängt von den Lebensumständen der Familie ab, sowie von Charakter und Behinderung des Kindes. Außerdem gibt es auch in der Persönlichkeit der Tieres große Unterschiede..., man muss da sicher die geeigneten Partner zusammenbringen.

Das war nun alles eher allgemein gehalten, sollten Sie mehr wissen wollen, dann fragen Sie gerne.

Liebe Grüße
Gabriele Mengeu

www.suche-herrchen.de

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  #9  
Alt 12.06.2005, 21:00
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Hallo liebe Frau Gührke

Sie haben jetzt Fragen allgemein zum Thema Tiere gestellt.

Wir haben hier auch Kontakt zu einem Verein die mit behinderten Kindern arbeiten und auch Tiere von uns nehmen als Therapiehunde etc.

Da muss ich gleich sagen, soweit ich weiß, sind Katzen gänzlich ungeeignet weil sie einfach ihren eigenen Kopf haben und machen was sie wollen. Sie lassen es sich nicht gefallen falsch oder zu hart angefasst werden sondern kratzen dann etc.

Da sind Hunde oft wesentlich besser geeignet. Zu ihrer Frage mit den Rassen, kann ich nur sagen das das überhaupt keine Rolle spielt. In jeder Rasse gibt es Ausnahmen die von der Masse abweichen. Man hat ja nichts davon einen Schäferhund zu nehmen weil die ja so lieb und loyal und gut erzogen sind und dann hat man den einen von 100 der sich als vollkommen ungeeignet erweist
.
Ich würde einmal so heran gehen, vor welchem Hund hat das behinderte Kind keine Angst und was möchte die Familie halten. Manche Kinder haben Angst vor großen Hunden oder der Familie ist es in der 7ten Etage gar nicht möglich eine große Rasse zu halten.

Ich würde nie einen Welpen für die Arbeit mit Behinderten Kindern empfehlen, sie können sich absolut nicht auf Schwächen oder Besonderheiten des Kindes einstellen. Da kann man nur einen ausgewachsenen oder schon älteren Hund nehmen. Der von Wesen her fest ist und nicht mehr ungebändigt in seiner Sturm und Drang Zeit herumspringt wie ein Welpe.


Ich denke in jedem Tierheim kann man sie da genau beraten welcher Hund sich für so eine Aufgabe eignet. Der kinderlieb ist und es nicht krumm nimmt wenn er aus versehen am Ohr gezogen wird oder unsanft auf den Kopf gehauen wird.

Wobei man erstmal sagen muss das größere Hunde oft wesentlich ruhiger sind, die kleinen sind oft sehr hibbelig und strahlen nicht solche Ruhe und Gelassenheit aus.

So würde ich sagen erstmal ein älterer Hund und die Größe je nach Möglichkeit entscheiden.

Mit freundlichen Grüßen
Frauke Becker
Tierschutzverein Halberstadt
www.tierheim-halberstadt.de
tierheimhbs@aol.com

© 2005 Frauke Becker
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Alt 13.06.2005, 07:11
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Sehr geehrte Frau Gührke,

bin Hundetrainerin und Besitzerin von Hunden, Meerschweinchen und Vögeln und möchte Ihnen auf diesem Wege ein paar Tipps geben. Bitte sehen Sie meine Ratschläge als kleine Orientierungshilfe und nicht als allgemeingültige Regeln an, da jedes Tier genauso wie jedes Kind ein Individuum darstellt und als solches auch beachtet werden muss.

Für behinderte Kinder würde ich auf jeden Fall einen Hund empfehlen. Da kein Tier wie der Hund ein so feines Gespür für den Menschen entwickelt hat und als solches auch die nötige Feinfühligkeit mitbringt um auf den Menschen einzugehen.

Grundsätzlich würde ich eher größere Hunde empfehlen, da sie in der Regel eine höhere Reizschwelle haben und "gröbere Behandlungen" eher gelassen hinnehmen. Je nach Behinderung des Kindes empfehlen sich eher ruhige Rassen wie z. B. Neufundländer, Landseer oder Gebrauchshunderassen wie der Labrador, Golden Retriver (sehr geeignet zum Apportieren von Gegenständen etc.) oder Mischlinge daraus. Es gibt viele sehr freundliche Mischlinge im Tierschutz (vor allem aus dem Süden - meine Erfahrung) und man sollte sich auf jeden Fall die Reaktion des Hundes auf das Kind anschauen.

Suchen Sie sich einen Verein aus, dem es nicht darum geht, möglichst viele Tiere in kürzester Zeit zu vermitteln, sondern deren höchste Priorität ist, dass Mensch und Hund optimal zusammenpassen.

Klar sollte natürlich sein, dass man ein Tier (egal welches) nur unter Aufsicht mit dem Kind zusammenlässt und das die Eltern darauf achten müssen, dass das Tier durch das Kind nicht (zu) grob behandelt wird. Selbstverständlich hat jedes Tier seine Grundbedürfnisse, die die Eltern bereit sein müssen, zu befriedigen.

Meerschweinchen, Kaninchen o. ä. sind eigentlich keine Kindertiere (obwohl es leider immer so dargestellt wird). Meerschweinchen z. B. mögen es überhaupt nicht geknuddelt zu werden und das sie dabei "ruhig" halten liegt lediglich daran, dass ein Meerschweinchen wenn es Angst hat erstarrt und nicht das es die Streicheleinheiten genießt. Auch können diese Tiere zu leicht von Kinderhänden gequetscht oder fallen gelassen werden und daher rate ich davon ab.

Katzen sind in Einzelfällen je nach Charakter des Kindes und des Tieres geeignet.

Werden die Grundprinzipien berücksichtigt, so steht außer Frage, dass nichts so einen großen therapeutisch positiven Einfluss auf den Menschen hat, wie der Umgang mit einem Tier. Denn da wo der Mensch schon längst keinen Zugang mehr findet, gelingt es dem Tier - mit Leichtigkeit so scheint es - eine Brücke zu schlagen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich einen Teil Ihrer Fragen beantworten konnte und wünsche Ihnen viel Kraft für Ihre Aufgabe.

Sollten Sie noch weitere Fragen haben, können Sie mich gerne kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen

Martina Baumgartner

© 2005 Martina Baumgartner
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