Tiere im Altenheim
Von Susanne d’Alquen
Dienstbeginn für zwei Kaninchen. Im Bollerwagen geht es auf zur Station, denn im Altenheim Marienhaus in Essen werden die beiden schon sehnsüchtig erwartet.

Im Marienhaus sind Tiere gern gesehene Besucher. Das Altenheim setzt auf die Wirkung von Fell und Pfoten, und so ist die Kaninchenstunde vor allem eine Streichelstunde. Die Tiere sind schon seit elf Monaten mit von der Partie und begeben sich gelassen in die vorsichtigen Hände der Marienhausbewohner. Kuscheln tut gut und erinnert den einen oder anderen an die alten Zeiten. Viele der Bewohner haben früher auf Bauernhöfen in der Umgebung gelebt und hatten im Alltag Umgang mit Tieren. Die Langohren geben Anlass, von früher zu erzählen und Anekdoten auszutauschen. Eine Bewohnerin ist überzeugt davon, dass die alten Menschen ein großes Bedürfnis haben, den Tieren Liebe und Wärme zu schenken und von den Tieren zurückzubekommen.
Entspannung für Körper und Seele – hier tun sich Mensch und Tier gegenseitig gut. Die Initiatorin dieses tierischen Projektes, Pia Gröning, ist der Meinung, dass sich das Wohlbefinden der Menschen in vielfacher Hinsicht bessert: Die Bewohner haben Gesprächsstoff, bleiben in Bewegung und freuen sich über die kuschelige Abwechslung – das trägt entschieden zur Lebensqualität bei.

Auch Kater Terry wohnt schon seit einiger Zeit im Marienhaus. Er besucht die Menschen auf ihren Zimmern, fordert Streicheleinheiten und zeigt ihnen, dass er sie mag. Terry ist immer gut für eine Geschichte, und das ist auch Sinn der Sache. Tiere bieten Gesprächsstoff, fordern heraus, und so wird es nie langweilig. Einsamkeit im Alter – nicht wenn Tiere mitmischen. Wer Umgang mit Vierbeinern hat, fühlt sich eben nicht so allein und hat eine Menge mehr Spaß am Leben.
Einmal im Monat kommt eine Gruppe von Hunden ins Marienhaus. Für die Hunde ist ein Besuch verlockend, denn dann darf nach Herzenslust genascht werden. Sie sind extra dafür ausgebildet, mit den Menschen dort umzugehen, das heißt vor allem, nicht allzu schreckhaft zu reagieren und sich auch die eine oder andere Neckerei gefallen zu lassen.
Die tierische Unterstützung wirkt: Ihre Anwesenheit ist ein prima Heilmittel bei Altersdepressionen. Langzeitbeobachtungen in anderen Heimen haben gezeigt, dass der Medikamentenverbrauch stark abnimmt, denn die Gespräche und Spielereien mit den Tieren relativieren Gefühle von Kummer, Trauer und Leid. Für die heilsamen Helfer ist das bisweilen ganz schön anstrengend. Pia Gröning erklärt, dass die alten Menschen den Tieren sehr viele Emotionen entgegenbringen und die Hunde stark darauf reagieren. Deshalb dauern die Hundebesuche oft nicht lange. Aber die Vorfreude ist jedes Mal groß, denn die Hunde kommen regelmäßig. Die sind mittlerweile „alte Hasen“, was die Altenheimbesuche angeht – und wissen es genau: Alter ist relativ, erst recht mit Tieren.
Quelle: WDR