Dog-Water-Therapie
Hund Bootsmann ist eine echte Wasserratte. Gemeinsam mit Frauchen Elke Otto besucht er Hallenbäder und Seen, denn der Landseer ist ausgebildeter Seenot-Rettungshund - und liebt Kinder über alles. Im einem Hallenbad bei Mönchengladbach trifft er Carina. Sie ist von Geburt an blind. Schwimmen gehen hat ihr große Angst gemacht – bis Bootsmann kam.
Mittlerweile ruft sie Bootsmann sogar vom Becken aus ins Wasser – mit einem lauten Platscher hinein ins kühle Nass kommt Bootsmann ihrer Aufforderung gerne nach. Und dann lässt Carina sich durchs Becken des Hallenbads ziehen, lachend und prustend. Die beiden kennen sich erst seit wenigen Monaten, aber in dieser kurzen Zeit ist aus der wasserscheuen Carina eine leidenschaftliche Wasserratte geworden – dank Bootsmann und der „Dog-Water-Therapie“.
Elke Otto, Bootsmanns Besitzerin, erklärt die Wirkung: „Durch seine ganzen Ausmaße, die Größe, die Kraft, wenn er ins Wasser platscht, wenn er sich bewegt, wenn er was zieht, wenn er mit den Kindern schmust und knuddelt: Das alleine gibt einem Kind – so hoffen wir immer wieder - ein sehr kräftiges Selbstbewusstsein.“
Für jede Therapiestunde muss eigens ein Hallenbad angemietet werden. Das ist nicht immer einfach, weil die meisten Bäder nur öffentliches Schwimmen anbieten. Trainerin Elke Otto hofft darauf, irgendwann einmal regelmäßig in immer demselben Hallenbad mit dem Hund schwimmen zu können, denn der Hinundhertransport von Kindern, Hunden und Ausrüstung ist sehr aufwändig.
Nach den Schwimmstunden mit dem Hund muss das Bad von Haaren gereinigt werden, ansonsten ist das Wasser sauber. Das haben eingehende Untersuchungen des Wassers vor und nach den Schwimmstunden ergeben. Kein Problem also mit der Hygiene.
Mit Hilfe von Spenden schafft Trainerin Elke Otto es immer wieder, den Kindern dieses besondere Vergnügen zu bieten, obwohl die Erfolge bei ihren kleinen Schützlingen weit über bloßes Vergnügen hinausgehen. Birgit Tillmann, Mutter von Carina: „Vorher war Carina das kleine Klammeräffchen, sie hat sich nur an mich geklammert, wollte überhaupt nicht ins Wasser rein. Nachher, das, was wir jetzt schon erreicht haben, sie traut sich ganz alleine im flachen Wasser mit ihrer Poolnudel oder sonstigen Sachen. Reinspringen, Hüpfen, Bewegungen: Sie traut sich viel mehr zu.“
Vertrauen und Selbstvertrauen geben, darin ist Bootsmann Spezialist. Für Kinder mit Handikaps besonders wichtig. Timo ist heute zum ersten Mal dabei und Bootsmann kennt seinen Job – zuerst einmal muss der Junge sich an den Zottelbär gewöhnen.
Auf Grund einer Gehirnfehlbildung ist der dreijährige Timo schwerst körperlich und geistig behindert. Den Spaß mit Bootsmann lässt er sich aber trotzdem nicht nehmen.
Die „Dog-Water-Therapie“ funktioniert auch an Land. Entwicklungsimpulse, Haltungsverbesserungen und motorische Lerneffekte - Tiere als Therapeuten weisen erstaunliche Erfolge auf.
Astrid Rada, Mutter von Timo: „Von dem Hund verspreche ich mir einen Bewegungsanreiz für den Timo, weil er Tiere sehr gerne hat – und dass das Ziel da ist, ich möchte gerne zu dem Hund, ich möchte den Hund gerne mal anfassen – für später.“
Birgit Tillmann, Mutter von Carina: „Für Carina ist der Hund der dicke große Bär, der Freund. Sie hat ein unheimlich großes Vertrauen überhaupt zu Tieren, sie fühlt sich zu Tieren sehr hingezogen, das bedeutet für sie sehr viel. Er gibt ihr Sicherheit, mehr Sicherheit, als die Mama ihr geben konnte.“
Nicht alles, was zwischen Kind und Hund passiert, können wir sehen. Und Carina lässt uns auch nicht mithören, was sie ihm erzählt. Und Bootsmann vermittelt ihr das Gefühl, dass sie ihm bedingungslos vertrauen kann!
Quelle: wdr
Geändert von Nancy (16.06.2006 um 11:30 Uhr).
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