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Alt 15.09.2006, 05:55
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Standard Stärker als die Dunkelheit

Berlin (kobinet) Das erste deutsche Musical von und mit blinden und sehbehinderten Menschen hat am 12. Oktober in Berlin seine Premiere. Katja Ebstein übernahm die Schirmherrschaft für ein bisher einzigartiges Projekt.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) präsentiert in der Aula des Berliner Fichtenberggymnasiums das Musical "Stärker als die Dunkelheit". Erstmals wird ein Musical zu erleben sein, dass von blinden und sehenden Autoren geschrieben und von jungen Darstellern mit Seheinschränkung aufgeführt wird. Die Aufführung erinnert daran, dass 1806 Johann August Zeune in Berlin die erste Blindenschule Deutschlands eröffnete.

Der "kleine Schmidt", so erzählt Alexander Reuß in seinem Buch "Der Tempel der Blinden", arbeitete als Schwungradantreiber in einer Spinnfabrik. Er bat den Direktor um eine Aufbesserung seines kargen Lohns, worauf er von drei Arbeiterinnen gemobbt und schließlich zusammengeschlagen wird. "Karussellgaul dreh", schreien die Arbeiterinnen. Der kleine Schmidt muss die Fabrik verlassen.

Im Musical ergeht es dem Jungen Krauter ähnlich. Er hat aber Glück und wird in die neu gegründete Blindenschule von Johann August Zeune in Berlin aufgenommen. Mit seinen Kameraden erhält er eine solide Bildung, ist aber nicht bereit, sich allen Regeln der Pädagogen anzupassen. Er möchte nicht die von den Lehrern erdachte Stachelschrift benutzen, sondern die viel einfachere Punktschrift des blinden Luis Braille, die von den Lehrkräften nicht geduldet wird.

Er möchte Musik auf der Straße, in Kneipen und Konzertsäälen machen und nicht nur zur eigenen Erbauung im stillen Kämmerlein. Und dann gibt es da noch die sehende Charlotte. Aber Kontakte Blinder mit dem anderen Geschlecht sind strengstens untersagt und ziehen harte Sanktionen nach sich.

"Mein Leben lang habe ich gewartet. Gewartet darauf, dass jemand kommt und sagt: mach dies oder mach jenes. Nie habe ich es mir selbst zugetraut. Nie habe ich mein Schicksal selbst bestimmt. Ständig flüstert eine Stimme in meinem Kopf, du kannst es nicht, du bist zu schwach dazu. Aber es stimmt nicht. Die Stimme lügt. Wenn ich nicht den Mut habe, dann hat ihn keiner für mich." Dies wird Krauter allmählich klar, und mit seinen Freunden nimmt er sein Schicksal in die Hand.

Seit Mai 2005 arbeiteten sechs Autoren mit und ohne Sehbehinderung, Pädagogen, Profis und Freizeitmusiker, an dem Musical. In einer Probenwoche vom 7. bis 12. Oktober machten die 14 blinden und sehbehinderten Darsteller zwischen 12 und 26 Jahren aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordhrein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein nun unter der Leitung von Regisseur Stephan Greve und der musikalischen Leitung von Götz Kretschmann das Stück aufführungsreif. sch
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