"Regionalverband Autismus Nordschwaben" gegründet
Ein "Mama, ich hab' dich lieb" gibt es für sie nicht
Von Ute Schäfer
Dillingen/Donauwörth Zwei Mütter wollen sich, ihren Kindern, und allen anderen Betroffenen helfen: Sie haben den "Regionalverband Autismus Nordschwaben" gegründet. Ihr Ziel: ein Autismus-Therapie-Zentrum in der Gegend.
Nie kommt etwas zurück: Kein Dank, kein Kuscheln
Da hat man ein behindertes Kind, fördert es nach Kräften und stößt doch immer wieder an Grenzen - an die eigenen und die des Kindes. Und nie kommt etwas zurück. Kein Dank, kein Kuscheln auf dem Schoß, kein "Mama, ich hab dich lieb". All das also, woraus Mütter Kraft schöpfen, gibt es bei für sie nicht. Und dabei hätten gerade die Mütter autistischer Kinder diese Kraft nötig, denn die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, sind mannigfaltig. Sie fangen beim Unverständnis in der Nachbarschaft an, gehen bei Problemen in Kindergarten und Schule weiter und hören auch bei Ärzten nicht auf. Denn die tun sich oftmals schwer mit der Diagnose.
Erika Bayrle (Hainsfarth) und Conny Betzler (Amerbach bei Wemding) kennen das. Sie haben autistische Kinder. Aber sie hadern nicht mit ihrem Schicksal und mit dem ihrer Kinder. Sie wollen es erleichtern. Denn wenn die Diagnose "Autismus" endlich steht, werden die Probleme nicht kleiner. Das Kind muss jetzt speziell gefördert werden, um seinen Platz im Leben zu finden. Doch wo? Hilfsangebote oder Therapiezentren mit speziell geschulten Therapeuten sind in Nordschwaben und rar. Die nächsten gibt es erst wieder in Freiburg, Stuttgart, Kempten, München oder Nürnberg. Zu weit für regelmäßige Therapiebesuche.
Doch das soll bald schon anders werden. Erika Bayrle und Conny Betzler haben nun einen "Regionalverband Autismus Nordschwaben" gegründet. Ihr Ziel: ein Autismus-Therapie-Zentrum auf die Beine zu stellen, und zwar möglichst in der Nähe. Donauwörth schwebt ihnen vor, Dillingen, oder ein anderer Ort in der Gegend.
Wie genau das gehen soll, weiß Erika Bayrle zwar noch nicht genau. Aber dass das Zentrum eines Tages stehen wird, daran besteht kein Zweifel. "Ich hab ja auch nicht geglaubt, dass ich eine Selbsthilfegruppe auf den Weg bringen kann", sagt Erika Bayrle, Hausfrau aus Hainsfarth bei Oettingen. Genau das hat sie aber bereits getan.
Professionelle Hilfe gibt es auch: Der Bundesverband stellt Informationen zur Verfügung, und Vorbilder gibt es ebenso: In Kempten etwa, oder in Freiburg. Erika Bayrle: "Wir haben schon Kontakte geknüpft."
Der Standort der zukünftigen Therapiestelle steht noch nicht fest. Wichtig ist jetzt zuerst einmal, Träger zu finden, die mit dem Regionalverband zusammenarbeiten wollen. Erika Bayrle und Conny Betzler werden also Klinken putzen. Bei der Lebenshilfe, dem paritätischen Wohlfahrtsverband, bei Behindertenwerkstätten und Schulen. Diese Organisationen treten bei anderen Therapiezentren auch als Träger auf. Wenn die beiden Mütter die Augen schließen, sehen sie das Zentrum heute schon ganz deutlich vor sich. "Es muss am Anfang ja nicht groß sein", meinen sie. "Ein speziell geschulter Therapeut reicht erst mal aus", sagen sie.
Erika Bayrles Sohn Manuel bräuchte dringend ein soziales Training. Und all die anderen Kinder - meistens Buben - ebenfalls. Mehr als ein Prozent der Bevölkerung lebt mit autistischen Symptomen, weiß der Bundesverband, und besonders Kinder brauchen Hilfe. "Denen würde das so gut tun", sagt Erika Bayrle. "Und den Müttern auch."